Pipo-Reihe „Hier bewegt sich was“

Alle Kinder können turnen

96 Seiten, 67 Abbildungen,
in Farbe, Klappenbroschur,
14,8 x 21 cm, 13,95 €
ISBN: 978-3-89899-903-8

Keine Angst vor inklusiven Angeboten - Kinderturnen für alle!

Gemeinsames Kinderturnen im Verein für Kinder mit und ohne Behinderung soll zur Normalität werden! Das Thema Inklusion gewinnt zunehmend an Bedeutung. Viele Übungsleiter/innen sind jedoch unsicher: „Wie gestalte ich eine gemeinsame Turnstunde für Kinder mit und ohne Behinderungen, Verhaltens-, Bewegungs- oder Wahrnehmungsauffälligkeiten? Kann ich jedem Kind gerecht werden?“

Die Deutsche Turnerjugend (DTJ) und die Deutsche Behindertensportjugend (DBSJ) setzen sich in einem von Aktion Mensch geförderten Projekt für eine adäquate Qualifizierung von Übungsleiter/innen ein. Durch die Entwicklung und die flächendeckende Umsetzung eines Fortbildungsmoduls sollen Übungsleiter/innen im Kinderturnen so qualifiziert werden, dass sie Kinder mit und ohne Behinderung entsprechend betreuen und alle Kinder optimal fördern können. Ziel der Qualifizierung ist es in erster Line, Berührungsängste und Unsicherheiten abzubauen, um eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema sowie eine langfristige Umsetzung anzuregen.

Im Folgenden wollen wir aufzeigen, wie man praktische Bewegungsanregungen differenziert gestalten kann, damit möglichst alle Kinder daran teilhaben können. Viele bekannte Spiele lassen sich durch nur kleine Änderungen hinsichtlich der Aufgabenstellung, des Raumes, der Zeit, der Organisationsform oder des Materials an die individuellen Fähigkeiten der Kinder in heterogenen Gruppen anpassen.

Feuer-Wasser-Sturm

Idee: Cornelia Franck

Material:

  • Langbank
  • Zweiteiliger Sprungkasten
  • Turnmatten

Eine oder zwei Langbänke stehen an der Hallenwand, daneben ein zweiteiliger Sprungkasten. Je nachdem wie viele Kinder an der Turnstunde teilnehmen, können auch zwei Sprungkästen aufgestellt werden. Die Kinder laufen zur Musik kreuz und quer durch die Halle. Bei Musikstopp ruft der/die Übungsleiter/in ein Kommando. Die Handlungen zu den Begriffen Feuer, Wasser und Sturm werden im Vorfeld mit den Kindern abgesprochen.

  • Ruft der/die Übungsleiter/in "Wasser" (also Hochwasser) wird die Halle überschwemmt und die Kinder müssen sich auf eine Anhöhe, die Langbank, retten.
  • Wenn der/die Übungsleiter/in "Feuer" ruft, brennt es. Um sich zu retten müssen sich die Kinder auf den Boden legen und hin und her wälzen
  • Bei "Sturm" retten sich die Kinder in die windgeschützte Hallenecke.
Variationen
  • Beim Kommando "Wasser" retten sich Kinder je nach Können entweder auf den Sprungkasten (dieser ist höher als die Langbank, daher schwieriger zu erklimmen) oder auf die Langbank oder berühren einfach nur an die Wand. Das ist auch mit Rollstuhl möglich.
  • Bei "Feuer" machen die Kinder je nach Können eine Rolle vorwärts auf bereit gelegten Matten oder rollen um die eigene Längsachse. Kinder mit Rollstuhl drehen sich einmal um sich selbst und ducken sich dann.
  • Beim Kommando „Sturm“ deutete der/die Übungsleiter/in auf diejenige Hallenecke, in die die Kinder laufen sollen. So kann sie für unterschiedlich lange Laufwege der einzelnen Kinder sorgen und auch den langsamen mal die Chance geben, zuerst ins Ziel zu kommen.
  • In Gruppen mit hörbehinderten Kindern können die Kommandos z. B. mit Hilfe bemalter Tafeln, die Feuer, Wasser und Sturm darstellen verstärkt werden.

Das Spiel kann komplett ohne Ausscheiden gespielt werden. Oder die langsamsten Kinder der einzelnen Durchgänge setzen nur eine Runde aus und sind im darauffolgenden Durchgang wieder dabei.

Fallschirmunwetter

Idee: Birgit Kleinschmidt

Material:

  • Fallschirm

Alle Kinder stehen im Innenstirnkreis und halten den Fallschirm fest, der ausgebreitet am Boden liegt. Ein oder zwei Kinder legen sich in die Mitte auf den Fallschirm. Wichtig: Die Kinder in der Mitte schließen die Augen damit beim Sturm keine Staubkörnchen hinein gewedelt werden – und damit sie besser Träumen können. Der/die Übungsleiter/in erzählt folgende Geschichte:

„Heut ist ein schöner Tag und die Sonne scheint.“
(Die Kinder halten den Fallschirm ganz ruhig in der Hand.)
„Ein leichter Wind kommt auf.“
(Ganz vorsichtig beginnen die Kinder den Fallschirm zu bewegen.)
„Es zieht ein Unwetter auf.“
(Die Kinder bewegen den Fallschirm schneller.)
Die Übungsleiter fragt die Kinder in der Mitte: „Geht es euch gut?“
(Die Bewegung des Fallschirms wird gestoppt)
„Möchtet ihr das Unwetter erleben?“
(Wenn die Kinder mit „ja“ antworten, geht es weiter...)
„Das Unwetter tobt über uns.“
(Die Kinder bewegen den Fallschirm so heftig wie sie können.)
„Das Unwetter zieht vorbei und die Sonne kommt wieder.“
(Die Kinder stoppen die Bewegung)
Die Kinder aus der Mitte tauschen mit zwei anderen Kindern die Plätze. Die Geschichte beginnt von vorn.

Variationen

•    Alle Kinder sitzen beim Fallschirmschwingen auf dem Boden.
•    In Gruppen mit Rollstuhlfahrern sitzen die nicht-behinderten Kinder auf Sitzbällen.

Ballcamp

Idee: Nadine Kleber

Material:

  • Verschiedene Bälle (Tischtennisbälle, Flummies, Koosh-Bälle, Tennisbälle, Softbälle, Gymnastikbälle, Sitzbälle…)
  • Zusatzmaterialien für die Stationen (z. B. kleine Kästen, Tor, Hütchen, Tische…)

Es werden verschiedene Stationen aufgebaut, an denen unterschiedliche Aufgaben rund um den Ball gemeistert werden sollen. Jedes Kind soll an den einzelnen Stationen die Aufgabe seinen Fähigkeiten entsprechend durchführen und dafür aus den unterschiedlichen Bällen den am besten geeigneten auswählen.

  • Ball an einen anderen Spieler abgeben
    • in Ruhe (überreichen, werfen, zukicken …)
    • in Bewegung (überreichen, werfen, zukicken …)
  • Ball führen
    • in Ruhe (auf der Stelle prellen, hochwerfen, im Sitzen um den eigenen Körper herumrollen …)
    • in Bewegung (tragen, prellen, rollen, hochwerfen …)
  • Ball gemeinsam transportiereno    Gemeinsam tragen, Rücken an Rücken …
    • Ball zu einem Ziel bringen, z. B. um ein Hindernis herum …
    • Ball einem Gegner abnehmen
    • Verschiedene Arten den Ball zu bewegen ausprobieren (rollen, prellen, dribbeln, tragen, kicken …)

Die Zeit pro Station kann vorgegeben werden oder die Kinder wechseln selbst die Station, wenn sie die Aufgabe gelöst haben. Evtl. kann ein "Trainingspass" für das Ballcamp erstellt werden, auf dem die Kinder die jeweiligen Stationen abstempeln können. Am Ende der Stunde  findet eine Abschlussrunde mit Ehrung der Ballcamp-Teilnehmer statt.

Variationen

•    Bildkarten an den Stationen für leseschwache oder hörbehinderte Kinder
•    MP3-Player mit den Aufgaben für blinde/sehgeschädigte Kinder
•    Erhöhte Materialtische für Kinder im Rollstuhl
•    Durchlaufen des Ballcamps mit einem Partner
•    Schwerere Bälle für größere/stärkere Kinder