Kinderturn-Tage

Der Kinderturn-Test ist so konzipiert, dass er sich für den Einsatz in Vereinen, Kindergärten und Grundschulen eignet. Diese sind aufgerufen, im Rahmen von sogenannten Kinderturn-Tagen (das können „Tage der offenen Tür“, Vereinsjubiläen, Turnfeste usw. sein) den Kinderturn-Test durchzuführen, um so die Kinder zu mehr Bewegung zu animieren sowie um bei den Eltern das Bewusstsein für die Wichtigkeit einer ganzheitlichen gesunden Entwicklungsförderung durch Bewegung zu wecken. Viele Vereine verfügen zudem über ein großes Angebot im Kinderturnen und haben mit dem Kinderturn-Tag die Chance, ihre wertvolle Arbeit nach außen zu tragen.

Kampagne Kinderturnen und Kinderturn-Test

Medien berichten immer wieder von einer steigenden Anzahl übergewichtiger und sogar adipöser Kindergarten- und Grundschulkinder. Diese Zahlen alarmieren Eltern, Ärzte und auch die Krankenkassen. Gleichzeitig wird auf eine mangelhafte motorische Grundlagenausbildung hingewiesen. Grundtätigkeiten wie Springen, Klettern oder auch Laufen finden im Alltag unserer Kinder immer weniger statt.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und um das Bewusstsein der Eltern für die Notwendigkeit einer guten motorischen Ausbildung ihrer Kinder zu schärfen, setzt sich die Deutsche Turnerjugend (DTJ) gemeinsam mit dem Deutschen Turner-Bund (DTB) und der BARMER GEK für eine nachhaltige Bewegungsförderung für Kinder in Deutschland ein. Aus diesem Grund wurde die Kampagne Kinderturnen ins Leben gerufen. Bestandteil ist u. a. der Kinderturn-Test, der vom Forschungszentrum für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen (FoSS) an der Universität Karlsruhe entwickelt wurde.

Der Kinderturn-Test

Der Kinderturn-Test ist wissenschaftlich evaluiert und es wurden auf der Basis einer aussagekräftigen Stichprobe Normwerte entwickelt. Diese ermöglichen den Vergleich gleichaltriger Kinder gleichen Geschlechts mit der Normstichprobe, so dass im Anschluss an den Test eine Aussage über die motorische Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Kindes getroffen werden kann. Hier können Sie den Evaluationsbericht herunterladen.
Der Kinderturn-Test besteht aus sechs Übungen, die alle jeweils eine  konditionelle Fähigkeit aufgreifen (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination). Das Testergebnis hilft, ein vielseitiges und differenziertes Bewegungsangebot für ihr Kind in den umliegenden Sportvereinen, primär im Kinderturnen, zu finden.

Die Kinderturn-Test Übungen im Überblick:

Die genaue Übungsbeschreibung und -auswertung entnehmen Sie bitte dem Test-Leitfaden, den Sie hier herunterladen oder – wie auch alle weiteren Test-Materialien –  mit Hilfe des Gutscheins zur Materialanforderung kostenfrei bei der BARMER GEK bestellen können.

Rumpfbeugen

Das Kind beugt den Oberkörper langsam nach vorne ab und die Hände werden parallel, entlang einer Zentimeterskala, möglichst weit nach unten geführt.

Die Beine sind gestreckt. Die maximal erreichbare Dehnposition ist zwei Sekunden lang zu halten. Hier wird die aktive, statische Beweglichkeit gemessen. Primär werden dabei die hintere Oberschenkelmuskulatur, die unteren Extremitäten, der lange Rückenstrecker und die Wirbelsäule beansprucht. Die Testaufgabe ist gelöst, wenn das Sohlenniveau erreicht wird.

Standweitsprung

Das Kind soll mit beidbeinigem Absprung möglichst weit springen. Diese Übung dient der Messung der Kraft, im Speziellen der Sprungkraft (untere Extremitäten).

Diese Aufgabe ist allerdings auch koordinativ anspruchsvoll, denn die Kinder sollen beidbeinig abspringen und bei der Landung nicht nach hinten fallen Fehler sind, wenn der Absprung einbeinig erfolgt oder das Kind bei der Landung nach hinten fällt oder greift. Nach vorne fallen ist erlaubt.

Balancieren auf der umgedrehten Langbank

Die Aufgabe besteht darin, in jeweils drei gültigen Versuchen über eine umgedrehte Langbank zu balancieren (9,6 cm breit; 3,44 m lang).

  1. vorwärts
  2. rückwärts
  3. vorwärts bis zur Mitte, eine halbe Drehung und rückwärts bis zum Ende
  4. vorwärts und dabei gleichzeitig mit einer Hand einen Ball auf den Boden neben der Langbank prellen

Diese Aufgabe testet ebenfalls die Koordination bei Präzisionsaufgaben, allerdings wird hier das dynamische Gleichgewicht abgefragt. Auch hier ist die Mittelkörperspannung Voraussetzung für eine fehlerfreie Ausführung. Fehler sind, wenn ein Fuß den Boden berührt, die Füße nicht hintereinander gesetzt werden oder das Kind mit den Fußen rutscht anstatt Schritte zu machen.

Seitliches Hin- und Herspringen

Die Aufgabe besteht darin, mit beiden Beinen gleichzeitig so schnell wie möglich, innerhalb von 15 Sekunden, seitlich über eine Linie (2cm) hin- und herzuspringen.

Hier wird die Koordination unter Zeitdruck gemessen. Als konditionelle Fähigkeiten werden die Schnelligkeit (Aktionsschnelligkeit) und die Kraftausdauer gemessen. Für eine möglichst gute Ausführung benötigen die Kinder eine komplexe Ganzkörperkoordination sowie Schnelligkeit und Kraft in den unteren Extremitäten. Nicht gezählt werden Sprünge, bei denen der Proband auf die Linie tritt, Doppelhüpfer auf einer Seite durchführt und Sprünge, die er nicht beidbeinig oder nicht seitlich durchführt.

Liegestütz

Das Kind soll innerhalb von 40 Sekunden so viele Liegestütz wie möglich durchführen (für Kinder ab sechs Jahre).

Das Kind liegt in Bauchlage und die Hände berühren sich auf dem Gesäß. Jetzt löst es die Hände hinter dem Rücken, setzt sie neben den Schultern auf und drückt sich vom Boden ab, bis die Arme gestreckt sind und der Körper vom Boden gelöst ist. Während dieses Vorgangs haben nur Hände und Füße Bodenkontakt. Anschließend wird eine Hand vom Boden gelöst und berührt die andere Hand. Der Rumpf und die Beine sind gestreckt. Bei dieser Aufgabe ist die dynamische Kraftausdauer der oberen Extremitäten sowie die stabilisierende Rumpfmuskulatur gefragt. Durch das zeitweise Stützen auf einer Hand und damit verbundene Gewichtverlagern, ist diese Übung auch koordinativ anspruchsvoll. Kriterien für die richtige Ausführung sind:

  • Nur Hände und Füße berühren den Boden
  • Im Stütz muss eine Hand die andere berühren
  • Auf dem Rücken wird "abgeklatscht"
  • Das Hochdrücken erfolgt nicht aus dem Rücken (Hohlkreuz) heraus
6-Minuten-Lauf

Die Kinder sollen das Volleyballfeld in sechs Minuten möglichst oft umlaufen (für Kinder ab sechs Jahren).

Hier geht es natürlich um die Messung der Ausdauer, spezieller der aeroben Ausdauer. Voraussetzung ist eine komplexe Lauftechnik. Besonders herausfordernd für die Kinder ist, dass sie möglichst gleichmäßig laufen sollen. Der Messwert für jedes Kind ist die in sechs Minuten zurückgelegte Wegstrecke in Metern (eine Runde sind 54m).