Kampagne „Kinder stark machen“

Kinderturn-Show – echt stark!

Die Kinderturn-Show wurde beim Internationalen Deutschen Turnfest 2013 zum ersten Mal  mit dem Thema „Kinder stark machen“ aufgeführt. Die neue Show ist ein Kooperationsprojekt der Deutschen Turnerjugend und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.  In zehn Bewegungsbildern werden die Kernbotschaften der Kampagne „Kinder stark machen“ vermittelt.  Ziel der Kampagne ist es, das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl von Heranwachsenden zu stärken und ihre Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit  zu fördern. In der Show werden Begriffe wie Vertrauen, Vorbilder, Mut, Gefühle, Anerkennung und Miteinander in der Geschichte und den Bewegungsbildern transportiert und choreografisch umgesetzt. Die Grundprinzipien der Kinderturn-Show bleiben bestehen: die Kinderturn-Show ist eine interaktive Show von Kindern für Kinder, die das Publikum einbezieht. Kinder mit und ohne Behinderung üben gemeinsam und treten zusammen auf. Das turnerische Niveau ist bei der Auswahl der Gruppen nicht entscheidend – alle können mitmachen! Ziel bei der Entwicklung der Show war es außerdem, sowohl Elemente aus dem Bühnenprogramm als auch aus den Schulungsinhalten der Kampagne  „Kinder stark machen“ zu übernehmen und  in den Bewegungsbildern auszugestalten.

Mut tut gut

Das Bewegungsbild „Mut tut gut“  beinhaltet zum Beispiel ein Kernelement aus dem praktischen Teil der “Kinder stark machen“- Schulungen: „der Fall“. Ein Kind lässt sich vom Kasten rückwärts in die Arme der Fänger fallen. Im Mittelpunkt steht das Erlebnis des fallenden Kindes.  Die Choreografie bringt Gefühlsgegensätze  wie Angst haben – mutig sein oder sich etwas (zu)trauen –  nicht(zu)trauen zum Ausdruck. Dabei  wird deutlich, wie wichtig das Vertrauen in die Gruppe, das Übernehmen von Verantwortung und die Akzeptanz von getroffenen Entscheidungen ist.
Die Durchführung des „Falls“  erfordert die Beherrschung einer ausreichenden Körperspannung. Folgende Übungen können als Hinführung und Vorbereitung durchgeführt werden:

Luftmatratze

Ein Kind  legt sich entspannt auf den Rücken, wie eine Luftmatratze, die noch nicht aufgeblasen ist.  Ein weiteres Kind „pumpt“ durch imaginäres Treten eines Blasebalgs  die Luftmatratze auf. Die Muskeln werden langsam fest: erst der Unterkörper (untere Kammer der Luftmatratze):  Fersen und Beine schließen, Po „zusammenkneifen“ -  dann der Oberkörper (obere Kammer): Arme gestreckt an den Köper schließen, Hände an die Oberschenkel drücken. Dann wird die Luft wieder abgelassen. Das kann langsam, „Kammer für Kammer“, geschehen oder auf einmal.  Der/ die Übungsleiter/in gibt Anweisungen beim „Aufpumpen“ und „Luftablassen“.
Variante: als Steigerung  kann ein „Test“ mit der aufgeblasenen Luftmatratze durchgeführt werden:  

  • Anheben der gespannten Beine (durch eine Person), bis in die leichte Schräge, ohne dass  die Spannung aufgegeben wird. Nicht zu weit anheben, um eine  zu starke Beanspruchung der Halswirbelsäule zu vermeiden!
  • Anheben an Schultern und Rumpf (durch
    mehrerer Personen), so dass der Ausführ-
    ende auf die Füße gestellt werden kann.

Pendel

Drei Personen: die Person in der Mitte lässt sich mit gespanntem Körper nach vorne und hinten fallen, wird von den anderen aufgefangen und vorsichtig zurück gestoßen. Der Abstand zwischen den Personen sollte zunächst gering sein und mit der Zeit erweitert werden. Die Übung kann auch im Kreis (7-8 Personen stehen im Kreis, eine Person lässt sich fallen) durchgeführt werden.

Schwebendes Brett

Eine Person liegt angespannt auf dem Boden. 6-8 Personen heben die liegende Person gleichzeitig hoch, erst in Hüfthöhe, dann über Kopf. So kann die Person vorsichtig durch den Raum transportiert werden.

„Umfaller“ (siehe auch Kinderturn-Abzeichen)

Geräte: kleiner Kasten, Weichbodenmatte.
Die Weichbodenmatte wird längs hinter den kleinen Kasten gelegt. Aus dem Stand (Kinn Richtung Brust, Hände an die Hosennaht, Körperspannung aufbauen) Umfaller rückwärts in die gestreckte Rückenlage.

Der Fall

Geräte: großer Kasten, feste Weichbodenmatte oder Niedersprungmatte.
Die Matte wird längs hinter den längs gestellten Kasten gelegt.
Ziel der Übung ist es, sich auf dem Kasten stehend rückwärts in die Arme der Fänger fallen zulassen. Der Fallende steht rückwärts am Kopfende auf dem Kasten, verschränkt seine Arme vor der Brust oder legt diese eng an den Körper.  Mind. sechs Fänger stehen sich auf der Matte  als Gasse gegenüber  und strecken ihre Arme im Wechsel (siehe Reisverschlussprinzip auf Foto) nach vorn, die Handflächen zeigen dabei nach oben.

Sicherheitshinweise:

  • Die Fänger sollten sich nicht an den Händen fassen, da sonst Knotenpunkte entstehen, die die Fallenden verletzen können. 
  • Die vom Kasten entfernt stehenden Fänger sollten im Zweifel die kräftigeren sein, da hier mit dem Rumpf der Fallenden die größte Last entsteht. 
  • Häufig verlieren die fallenden Kinder aus Angst die Körperspannung, um Verletzungen zu vermeiden sollten sie rückwärts fallen.
  • Vor dem Fall prüfen die Übungsleiter/innen, ob die Fänger und der/die  Fallende bereit sind.

Die Kinder fallen freiwillig! Der/die Übungsleiter/in muss der Gruppe deutlich machen, dass jeder selbst entscheiden kann, wann und ob er überhaupt fallen möchte. Der Fall soll das Selbstbewusstsein stärken. Kinder, die sich trauen, werden mit  einem besonderen Gefühlserlebnis belohnt. Kinder die sich nicht trauen, lernen sich gegen Gruppendruck zu entscheiden und erfahren, dass ihre Entscheidung „okay“ ist, akzeptiert wird und dass es mindestens genauso viel Mut  erfordert eine solche Entscheidung zu kommunizieren.