Kooperative Spiele – Gemeinsam ein Ziel erreichen

von Petra Stauch, Dipl. Sportwiss.

In unserer heutigen Gesellschaft, in der Arbeit, Leistung und Wettbewerb dieprägenden Faktoren darstellen, besteht wenig Platz für kooperative Verhaltensweisen. Bereits bei Kindern wird im Sport meist auf die Leistung geschaut. Häufig werden Wettkämpfe durchgeführt, anstatt einfach nur zu Spielen. Leistungsdruck verhindert oftmals solidarisches Handeln, Schwächere werden ausgegrenzt.

Kinderturnen zielt nicht auf die Leistung, es steht für die motorische Grundlagenausbildung. Kooperative Spiele verwerfen das Konkurrenzprinzip und sind somit sehr gut geeignete Elemente für Kinderturn-Stunden. Die Kinder spielen nicht mit dem Ziel einen Sieger zu ermitteln gegeneinander, sondern versuchen gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Miteinander-Spielen, Spaß, Zufriedenheit, Aufregung, Spannung, Integration und Gemeinsamkeit stehen im Vordergrund. Das Spiel ist durch die Bedrohung eines gemeinsamen Gegners oder einer Spielregel (Zeitfaktor) verlierbar und die Aufgabe kann nur gelöst werden, wenn die Kinder sich untereinander helfen. Aus diesem Grund werden mit kooperativen Spielen oftmals pädagogische Ziele wie Integration, Vertrauensbildung, Kooperationsbereitschaft und Hilfsbereitschaft und damit der Erwerb sozialer Kompetenz verfolgt.

Die folgenden Spiele eignen sich für Kinder im Kleinkind- bis Grundschulalter. Sie lassen sich bei einer Vielfalt von Teilnehmer/innen und unter unterschiedlichen äußeren Bedingungen einsetzen

Hasenjagd

Bei diesem Spiel sitzen viele Hasen im Feld und ein Jäger versucht sie zu entdecken. Die Hasen sitzen oder liegen regungslos herum – versuchen ganz still zu sein. Solange sie sich nicht rühren, sind sie für den Jäger nicht zu erkennen. Augenzwinkern ist erlaubt, jedoch keine anderen Bewegungen. Wenn der Jäger sieht, dass sich ein Hase bewegt, dann wird dieser auch zum Jäger. Die Jäger dürfen alles versuchen, damit die Hasen sich bewegen - außer sie anzufassen.

Tausendfüßler

Die Kinder krabbeln hintereinander auf den Knien und halten jeweils mit den Händen die Fußgelenke des Vordermannes fest. Die Tausendfüßler bekommen nun verschiedene Aufgaben gestellt. So können z.B. Mattenhügel überquert und Kastenteile durchkrochen werden. Am Anfang sollte mit kleinen Tausendfüßlern von etwa drei bis vier Kindern angefangen werden. Mit zunehmender Übung werden die Tiere immer größer. Gelingt es dem acht bis zwölf Kinder großen Tausendfüßler, einen Hindernisparcours zu durchlaufen, ohne dass er auseinander fällt?
Variante „500-Füßler“: Die Kinder stellen sich nacheinander als lange Schlange auf, jeder nimmt ein Bein des Vordermanns in die Hand, dann müssen alle dem ersten hinterher hüpfen.

Noch ein Tausendfüßler

Alle Kinder stellen sich in einer Reihe auf. Zwischen Bauch und Rücken der Kinder wird jeweils ein Luftballon geklemmt. Die Gruppe muss sich nun fortbewegen, ohne die Luftballons zu verlieren. Alternativ können die Kinder auch paarweise zusammengehen und die Luftballons zwischen andere Körperteile klemmen. Es können kleinere Gegenstände (z.B. Bierdeckel, Holzklötzchen etc.) verwendet und Hindernisse überwunden werden. Als weitere Schwierigkeit kann versucht werden, die Aufgaben mit verbundenen Augen zu bewältigen.

Und Morgen lösen wir den Knoten...

Alle Kinder stellen sich in einem großen Kreis auf, laufen dann aufeinander zu, bis alle dicht gedrängt zusammen in einem Pulk stehen. Dann schließen sie die Augen, und fassen mit jeder Hand die Hand eines anderen Kindes. Ziel ist nun, den Knoten wieder aufzulösen, ohne die Hände zu lösen, so dass wieder ein oder mehrere Kreise entstehen.

Zombieball

Zombieball ist ein schönes Spiel für den Beginn der Kinderturn-Stunde. Die Kinder laufen kreuz und quer durch die Halle (ggf. können vorhandene Linien ein Spielfeld begrenzen). Der/die Übungsleiter/in wirft wahllos zwei (Soft-) Bälle ins Feld. Wer einen zu fassen bekommt, versucht, ein anderes Kind abzuwerfen. Wer getroffen ist, wird zum Zombie und setzt sich auf die Bank. Dabei muss man sich merken, von wem man abgeworfen wurde. Wenn derjenige dann selbst abgeworfen wird, darf man wieder zurück ins Spiel. Wer einen Ball fängt, gilt nicht als abgeworfen. Oft passiert es, dass am Ende zwei Kinder mit je einem Ball übrig bleiben, die gegenseitig versuchen, sich abzuwerfen. Gelingt das, ist das Spiel natürlich nicht zu Ende. All die von diesem Kind abgeworfenen Zombies erwachen schließlich wieder zum Leben und dürfen erneut ins Spielgeschehen eingreifen. So kann das Spiel unendlich weitergespielt werden. Der/die Übungsleiter/in sollte irgendwann das Ende ansagen oder zu Anfang ein Zeitlimit setzen. Variante: Noch mehr Aufmerksamkeit erfordert es, wenn ein dritter Ball hinzugenommen wird.

Zweierschaukel

Zwei Kinder halten sich mit den Händen an einem Trapez fest, die Füße berühren gerade eben nicht mehr den Boden (evtl. ein Sprungbrett oder einen kleinen Kasten als Aufstieghilfe verwenden und dann entfernen). Beide Kinder schauen in die gleiche Richtung. Nun gilt es, das Trapez zum Schaukeln / Schwingen zu bringen.
Als schwierigere Variante können die Kinder in entgegengesetzte Richtungen schauen.

Blinde Wasserbombe

Einem Kind werden die Augen verbunden und es setzt einen Helm mit einem spitzen Dorn auf. Ein zweites Kind dirigiert es zu einem aufgehängtem, mit Wasser gefülltem Luftballon. Ziel ist, den Ballon zum Platzen zu bringen. Das zweite Kind hilft mit Richtungsanweisungen und Tipps. Ein Kommunikationsspiel mit Wassereffekt, welches besonders gut für Sommerfeste geeignet ist.

Teamwork auf der Bank

Die Kinder stehen nebeneinander auf einer Turnbank. Das letzte Kind muss nun auf der Bank an allen Kindern vorbei gehen, ohne den Boden zu berühren und ohne dass ein anderes Kind herunterfällt. Danach ist das nächste Kind an der Reihe.
Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, dreht man die Bank mit der schmalen Seite nach oben.

Pulli-Rallye

Für dieses Spiel wird ein alter möglichst großer Pullover benötigt. Nach dem Startsignal des/der Übungsleiter/in zieht das erste Kind den Pullover an und fasst die Hände des nächsten Kindes. Alle anderen Kinder helfen nun dem ersten Kind, den Pullover abzustreifen und der nächsten Person überzustreifen ohne dass beide die Hände lösen. Danach wird das nächste Kind an den Händen gefasst und weiter geht es. Wie lange benötigt die Mannschaft, bis auch das letzte Kind den Pullover angezogen hat?