Regeln müssen sein!

von Yannis Gebhardt

Für Übungsleiter/innen kommt es öfter mal vor, dass man neue Regeln in einer Gruppe etablieren muss. Das kann die unterschiedlichsten Ursachen haben und je nach Situation und Regel mal mehr und mal weniger einfach verlaufen. Der schwierigste Teil wird wohl sein, die Kinder von der Notwendigkeit der Regeln zu überzeugen. Ist dieser Schritt erst mal getan, sollte es ein Leichtes sein, die Regel in den Gruppenalltag zu integrieren. Nur wie überzeugt man eine Kindergruppe von der Notwendigkeit von Regeln?

Eine sehr gute Möglichkeit ist die Kombination mit der generellen Notwendigkeit von Regeln. Oft, meistens bei kleinen Gruppen, bzw. Gruppen mit jüngeren Kindern, reicht es aus, einfach im Gruppenkreis über die Regel zu sprechen und diese einheitlich abzusegnen. Bei größeren Gruppen mit älteren Kindern ist es aber oftmals nicht so leicht, alle Kinder von der Notwendigkeit solcher Regeln zu überzeugen.
Für solche Fälle würde sich ein einfaches, zugleich jedoch auch einprägendes Spiel anbieten.

Spielerisch zum Regelverständnis

Je weiter Kinder in ihrer Entwicklung voranschreiten, desto weiter entwickelt sich auch ihr Spielverhalten. Überwiegt bei Kleinkindern noch die Lust an der Bewegung, steht bei älteren Kindern mehr und mehr das Gewinnen im Vordergrund. Damit man ein Spiel gewinnen kann, braucht dieses klare Regeln, einen fest vorgeschriebenen Spielverlauf und ein zu erreichendes Ziel. So ist gewährleistet, dass es ein klar definiertes Ende mit einem klar definierten Gewinner geben kann.

So kann man beispielsweise eine Gruppe von Kindern in zwei Mannschaften aufteilen. Ohne weiteren Kommentar teilt man den Mannschaften jeweils eine Hälfte des Spielfeldes zu, stellt in diese einen Eimer und legt einen Gymnastikball in die Mitte des Feldes. Dann erklärt man, dass es Punkte gibt, wenn der Ball im Eimer der gegnerischen Mannschaft landet, und startet das Spiel. Wichtig: vorerst werden keine weiteren Regeln genannt.

Nach einiger Zeit unterbricht man das Spiel, ruft die Gruppe zusammen und erklärt ihnen das nächste Spiel. Dieses Mal gibt man den Kindern klare Regeln vor:

  • Der Ball muss mit den Händen gespielt werden.
  • Mit dem Ball darf nicht gelaufen werden.
  • Es zählt nur als Punkt, wenn der Ball in den Eimer gelegt wird.
  • Es darf nicht nach hinten gepasst werden.
  • Körperkontakt ist verboten.
  • Es muss nach 3 bzw. 5 Sekunden gepasst werden.

Nach einiger Zeit ruft man die Kinder wieder in den Kreis. Dort fragt man zuerst, welches Spiel den Kindern besser gefallen hat. Es werden zwar auch einige Kinder das erste Spiel besser finden, doch die Mehrheit wird sich für das zweite Spiel aussprechen. Nun fragt man die Kinder, ob sie sich vorstellen können, woran das liegt. Als kleine Hilfe kann man die Kinder auffordern, Unterschiede zwischen dem ersten und dem zweiten Spiel aufzuzeigen. Es ist wichtig, den Kindern im Gespräch die Möglichkeit zu geben, selbst darauf zu kommen, dass Regeln wichtig sind.

Darauf kann man nun aufbauen:

  • Wo gibt es noch Regeln?
    • im Straßenverkehr
    • beim Essen
    • in der Familie
    • in der Schule
    • als Gesetze
    • in Spielen
    • im Sport …
  • Warum sind diese Regeln wichtig?
    • Sicherheit
    • Gerechtigkeit
    • Ordnung ...
  • Welche Regeln könnten wir im Kinderturnen brauchen? Z. B.:
    • nur mit Erlaubnis und Begleitung in den Geräteraum gehen
    • abmelden, wenn man auf Toilette muss
    • pünktlich sein
    • Aufbauten (Geräte/Spiellandschaft …) stehen lassen …

Mit diesen einfachen Fragen sensibilisiert man die Kinder und erhöht die Bereitschaft, neue Regeln zu akzeptieren. Diese neuen Regeln sollten einheitlich erarbeitet werden und für alle Kinder klar und nachvollziehbar sein. So wird gewährleistet, dass die Kinder das Gefühl der Mitbestimmung erleben, sich mit den Regeln identifizieren und selbst auch auf die Einhaltung dieser achten.

Ein weiterer Schritt könnte nun sein, ein eigenes Spiel mit den Kindern zu entwerfen, bzw. ein bestehendes Spiel abzuändern. So könnte man den Kindern zum Beispiel vorschlagen, sich eigene Regeln zum ersten Spiel (ohne Regeln) einfallen zu lassen, ein komplett neues Spiel zu entwerfen oder aus den unzähligen, bereits bestehenden Spielen durch Variationen ein neues zu kreieren. Wichtig ist auch hier wieder, dass die Kinder reden und der/die Übungsleiter/in nur eine passive Rolle einnimmt.

Riesenball treiben

Nimmt man bei oben genanntem Spiel anstelle eines Gymnastikballes einen großen Sitzball, welcher in ein Tor gebracht werden muss, entsteht ein völlig neues Spiel.
Zwei Mannschaften stehen sich auf einem Handballfeld gegenüber. Sie sollen den Sitzball irgendwie ins gegnerische Tor bringen. Dieses Spiel funktioniert fast ohne Regeln, kann aber (je nach den Vorschlägen der Kinder) durch folgende Regeln ergänzt werden:

  • Der Ball darf nicht getragen werden.
  • Der Ball darf nur mit den Füßen/Händen gespielt werden.
  • (K)ein Torwart wird eingesetzt.
  • Es wird mit mehreren Bällen gespielt.

Ansonsten lassen sich auch die oben bereits genannten Regeln einsetzten

  • Es darf nicht nach hinten gepasst werden.
  • Körperkontakt ist verboten.
  • Es muss nach 3 bzw. 5 Sekunden gepasst werden.

Erweitert man diese Spiele um die Regel „es darf nur auf den Linien gelaufen werden“ erhält man wiederum ein komplett anderes Spiel mit jeder Menge Variationsmöglichkeiten.