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Publikation

SAFARI-TurnKids auf Entdeckungstour - Bewegungsprogramm zur Prävention von Übergewicht bei Kindern - Kursmanual

von Petra Wagner, Thomas Baumgärtner & Anja Jaitner

- Meyer und Meyer Verlag

- 19,95 Euro

- erhältlich im DTB-Shop unter www.dtb-shop.de oder im Buchhandel mit der ISBN 978-3-89899-434-7.

Weiterbildungen

Standardisiertes Programm: Einführung für Übungsleiter in das Kurs-Konzept SAFARI TurnKids (16 LE) [mehr]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SAFARI-TurnKids

Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter hat sich zu einem Schlüsselproblem unserer Gesellschaft entwickelt. Übergewicht ist mit zahlreichen gesundheitlichen Risiken und Krankheiten sowie psychosozialen Problemen verbunden, deshalb nimmt die Prävention von Übergewicht einen hohen Stellenwert im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsförderung ein. Prävention von Übergewicht muss vor allem an einer Veränderung des Verhaltens ansetzen. Damit wird dem Aufbau eines gesundheitsbewussten Lebensstils eine entscheidende Rolle zugeschrieben.


Die DAK hat zusammen mit der Universität Leipzig und dem Deutschen Turner-Bund daher das integrierte Präventionsprogramm SAFARI-Kids für Familien entwickelt. Es besteht aus den Bausteinen Bewegung und Ernährung. Das Bewegungsprogramm SAFARI-TurnKids wird über die Vereine des Deutschen Turner-Bundes angeboten und im Moment durch die Universität Kaiserslautern wissenschaftlich überprüft. Der zweite Baustein ist das Ernährungspro¬gramm SAFARI-Kids für übergewichtige Kinder, das die DAK mit selbständigen Ernährungsbera¬ter/innen an den verschiedenen Standorten anbietet.
Die Idee der ‚SAFARI’ findet sich im Vokabular, im Konzept des gesamten Programms (einschließlich parallelem Ernährungskurs), in den Übungs- und Spielformen sowie in der für die Verhaltensänderung notwendigen Vermittlung von Selbstmanagementkompetenzen wieder.

SAFARI steht für:

Selbstbewusst,
Aktiv,
Fit,
Ausgeglichen,
Robust,
Integriert.

Ziele

Obgleich das Thema Gesundheit bei Kindern noch eine andere Rolle spielt als bei Erwachsenen, und Kinder in der Regel gesund und beschwerdefrei sind, werden in jüngeren Studien zunehmend auch schon für diese Bevölkerungsgruppe Risikofaktoren, gesundheitliche Probleme oder Auffälligkeiten und motorische Defizite beklagt. Diese gesundheitlichen Probleme werden neben anderen Faktoren auch mit Bewegungsmangel und negativen Ernährungsgewohnheiten in Verbindung gebracht. Bei den Bemühungen diesen Problemen entgegenzuwirken, gilt es im Sinne einer multidisziplinären Gesundheitsförderung, möglichst frühzeitig bei den Kindern eine positive Bindung an eine bewegungsaktive und gesundheitsbezogene Lebens- und Verhaltensweise herauszubilden. Ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit und Gesundheitsförderung erfordert bei übergewichtigen und vorwiegend inaktiven Kindern nicht nur ein Bewegungsprogramm, sondern auch eine Schulung in den Bereichen Ernährung sowie Selbstmanagement und Verhaltenstherapie. Die besondere Herausforderung besteht in einer kindgerechten, spielerischen, freudbetonten und damit indirekten Ansteuerung von Gesundheit.
Das Bewegungsprogramm ist im Sinne einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung und Adipositasprävention auch auf das Verhalten und die Verhältnisse ausgerichtet. Analog zu den ‚Kernzielen von Gesundheitssport’ (Brehm & Bös, 2006) strebt das gesundheitsfördernde SAFARI-TurnKids Bewegungsprogramm gesundheitsförderliche Veränderungen auf der Ebene der Gesundheit, des Verhaltens sowie der Verhältnisse an.

In Bezug auf die Gesundheit der Kinder zielt das Programm auf die:
• Stärkung physischer Gesundheitsressourcen durch gezielte Förderung der Ausdauer-, Kraft-, Koordinations-, Dehn- und Entspannungsfähigkeit;
• Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen im Sinne eines positiven Selbst- und Körperkonzepts, einer aktiven Veränderung der Gestimmtheit, einer gestärkten sportbezogenen Kompetenzüberzeugung, eines verbesserten Handlungs- und Effektwissens sowie einer erhöhten Gruppenzugehörigkeit und sozialen Unterstützung;
• Verminderung bereits vorhandener körperlicher Risikofaktoren, Beschwerden und Missbefinden einschließlich der Einleitung einer Gewichtsreduktion oder
-stabilisation;
• Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens sowie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Auf der Ebene des Verhaltens der Kinder beabsichtigt das Programm die:
• Steigerung der körperlichen Aktivität im Sinne eines aktiven Bewegungsverhaltens im Alltag sowie einer aktiven Freizeitgestaltung;
• Bindung an regelmäßige sportliche Aktivität inklusive positiver Erfahrungen und Freude bei Sport und anderen Bewegungsaktivitäten und Nachhaltigkeitsangeboten;
• Verbesserung der Selbstmanagementkompetenz einschließlich einer flexiblen Kontrolle zur Verminderung inaktiver Freizeitgestaltung.
Hinsichtlich der Verhältnisse bezweckt das Programm die:
• Schaffung von Voraussetzungen zur Verbesserung der Bewegungsverhältnisse im Sozial- und Lebensraum des Kindes;
• Schaffung von Voraussetzungen zur Verbesserung bewegungsbezogener Gesundheitsförderungsprogramme im Sinne einer Netzwerkbildung mit Kooperationspartnern, einer adäquaten Übungsleiterqualifikation, einer Qualitätssicherung.

 

Zielgruppe

In Anlehnung an das „Qualitätsraster für Präventionsmaßnahmen für übergewichtige und adipöse Kinder“ der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) sind Zielgruppe des Programms übergewichtige und adipöse Kinder, bei denen keine Folgeerkrankungen vorliegen. Darüber hinaus gestattet die gesundheitsförderliche Ausrichtung des Programms auch normalgewichtigen Kindern, insbesondere mit Bewegungsmangel eine Teilnahme.
Zusammenfassend ist das Programm besonders gedacht für Kinder
- die normal- oder übergewichtig sind,
- sich tendenziell wenig körperlich bewegen,
- die lieber vor dem Fernseher oder PC sitzen, als sich draußen zu bewegen,
- die bisher wenig oder keinen Spaß an Bewegung gefunden haben und
- die ihre persönlichen Stärken noch nicht so genau kennen.

Außerdem versteht sich das vorliegende Bewegungsprogramm als ein Familienprogramm. Als Zielgruppe werden somit Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren und ihre Eltern angesprochen, weil eine adäquate Verhaltensänderung nur dann Erfolg hat, wenn die ganze Familie eingebunden ist. Weitere allgemeine Voraussetzungen betreffen die normale Schulfähigkeit, Gruppenfähigkeit, freiwillige Teilnahme und grundsätzliches Interesse an dem Gesundheitsförderungsprogramm sowie die Unterstützung durch die Familie.

 

Struktur/Inhalte

„Safari-TurnKids“ besteht aus einem 12-wöchigen, spielerischen Bewegungsprogramm, dass bewusst Parallelen zum Ernährungsprogramm aufweist. Die Kurseinheiten und die Begleitmaterialien für Kinder, Eltern und Kursleiter verfügen über einen hohen Aufforderungscharakter. Eine Kurseinheit umfasst 60 Minuten und die Struktur der Einzeleinheit gliedert sich in 7 Sequenzen:
(1) Einstieg
(2) Erwärmung
(3) Ausdauer
(4) Kraft, Dehnfähigkeit und Koordination
(5) Entspannung
(6) Ausklang und Abschluss
(7) Information.

Die Sequenz Information (7) wird in die Sequenzen (1) bis (6) integriert, da sich die Informationen zumeist auf konkretes Erleben und Erfahrungen der Kursteilnehmer im Kurs beziehen (Brehm 2001). Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden psychomotorische Bewegungsspiele mit Alltagsgegenständen und zu körperlichen Alltagssituationen. Beispielsweise spielen die Kinder auch mit Wäscheklammern und lernen Bewegungsmöglichkeiten auf kleinem Raum für zu Hause, die Schule etc. kennen. Integriert im Programm sind „bewegte“ verhaltenstherapeutische Schulungselemente. Mit medial unterstützten Spielen zu den eigenen Stärken, den Schatzbriefen mit dem „Lieblingspiel“, dem Safari-Routenplan, dem Launometer oder dem Safari-Check werden die Gesundheitsressourcen und Kompetenzen jedes Einzelnen gefördert. Neben Tipps und Anleitungen für das Alltagsverhalten erhalten die Kinder damit auf spielerische Weise Bewegungsaufgaben, die sie unter der Woche mit ihren Eltern und Freunden ausführen sollen und dabei auf dem Weg zu einem aktiven Freizeitverhalten unterstützen sollen.
Über drei „Elterneinheiten“, einen gemeinsamen Kurstermin von Eltern und Kindern sowie ein gemeinsames Abschlussfest wird es ermöglicht, auch die Eltern mit „ins Boot“ der Verhaltensänderung zu nehmen.
Das Bewegungsprogramm von „Safari-TurnKids“ bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, über drei Monate hinweg zu erfahren, wo die eigenen körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Stärken liegen.

Die Initiierung eines aktiven Lebensstils über den Sportverein ist angestrebt, um den Teilnehmern über den Kurs hinaus adäquate Angebote für eine Aufrechterhaltung des neu erlernten Verhaltens unterbreiten zu können und somit die Nachhaltigkeit der Verhaltensänderung zu unterstützen und zu gewährleisten.
 

Beispielhafte Inhalte, Übungen und Spielformen

 

Trefflauf ( 5-10 min)

Die Teilnehmer gehen paarweise zusammen. Zwei Läufer starten auf einer Rundstrecke in entgegen gesetzter Richtung und versuchen, sich immer am gleichen Ort zu treffen. Welches Paar kann im Voraus genau abschätzen, wo sie sich treffen werden? Der Treffpunkt der beiden muss nicht in der Streckenhälfte sein, der stärkere Läufer kann in der gleichen Zeit weiter laufen als der Partner.
Hinweis: Im Wald ist der Sichtkontakt geringer, dadurch wird die Übung erschwert und interessanter.

 

Bummeln (3-5 min)

Zu zweit stellen sich die Teilnehmer in einer Runde (50-150m) auf. Teilnehmer A beginnt mit Laufen, B mit spazieren (bummeln). A läuft auf der Runde, bis er B wieder eingeholt hat und spaziert dann weiter (Erholung!!), während nun B läuft, bis er A eingeholt hat, etc. Der Kursleiter gibt vor, wie oft jeder „gebummelt“ und gerannt sein soll (Vorschlag: 4 Mal).

 

Gruppenlauf (3-5 min)

Die Teilnehmer werden in 4 Gruppen aufgeteilt. Diese marschieren (oder traben) auf der Rundstrecke verteilt. Gruppe 1 läuft zügig zu Gruppe 2 (und spaziert dann weiter). Gruppe 2 läuft zu Gruppe 3, Gruppe 3 zu 4 und 4 zu 1. Es werden mehrere Durchgänge ausgeführt. Das Lauftempo kann an die vorgegebene Musik angepasst werden (von zügig bis langsam).

 

Safari-Einhakfußball (5-7 min)

Die Teilnehmer gehen paarweise zusammen. Jeweils gleich viele Paare bilden Mannschaften. Gespielt wird nach einfachen Fußballregeln mit dem Unterschied, dass die Paare, die sich eingehakt haben, immer gemeinsam handeln müssen und sich nie loslassen dürfen. Gespielt wird ohne festen Torwart. Um ein zu hohes Gedränge vor den Toren zu vermeiden, können die Paare verschiedenen Spielfeld-Bereichen zugeordnet werden, in denen sie agieren. Dies garantiert auch kleine Erholungspausen während des Spiels.
Eine Spielfeld-Zonen-Einteilung könnte folgendermaßen aussehen (gerechnet für 5 Paare pro Mannschaft):
•    Rückraum (vor dem Tor) bis 1/3 des Spielfeldes ein Paar
•    Mittelfeld bis 1/3 des Spielfeldes 2 Paare
•    Letztes Drittel (Torraum des Gegners) 2 Paare
Gespielt wird zunächst mit einem Softball.

 

Einkaufstaschen-Ball (3-5 min)

Die Teilnehmer gehen zu zweit zusammen. Teilnehmer A hat mehrere Tennisbälle, welche er rücklings zwischen seinen Beinen hindurch wirft. B versucht nun, mit einer Stoffeinkaufstasche die Bälle aufzufangen. Nach einigen Durchgängen wird gewechselt. Anschließend prellt A (nun mit Blick zum Mitspieler) den Ball einmal auf den Boden, bevor B den Ball auffängt. 

 

Entspannung

Massage nach der Safari (7-10 min)

Immer ein Elternteil und Kind gehen als Partner zusammen. Jedes Paar erhält einen Igelball und eine weiche Unterlage (Matte). Nun sollen sich beide nacheinander gegenseitig massieren. Zunächst legt sich einer der beiden auf den Bauch. Der Partner rollt den Igelball ja nach Empfinden stärker oder sanfter von unten über die Beine, dann den Rücken, Schultern, Arme und auch ein wenig über den Kopf (hier bitte sanft) und wieder hinunter zum Rücken. Der liegende Partner darf auch Wünsche äußern („bitte massiere etwas fester“, „könntest du auch über meine Hände rollen?“ etc.). Nach einiger Zeit wird gewechselt. Alternativ können auch Tennisbälle verwendet werden.