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Teambildende Maßnahmen – Gemeinsam sind wir stark

Von Yannis Gebhardt und Sarah Tausch

Das positive Erleben von gemeinsamen Erfahrungen und Erfolgen in einer Gruppe hängt davon ab, ob und wie sich die Kinder dieser Gruppe zugehörig fühlen. Ein starkes Gemeinschaftsgefühl und die Identifizierung mit der Gruppe bilden die Basis einer gelungenen Gruppendynamik. Teambildende Maßnahmen fordern die Kooperation und  fördern die Kooperationsbereitschaft unter den Kindern, sowie zwischen Kindern und Übungsleiter/innen.

Ein Angebot an vielen Kooperationsmöglichkeiten bietet die Chance zu einem selbstbestimmten und eigenständigen Bewegungslernen. Des Weiteren wirkt das somit geschaffene positive soziale Klima präventiv gegen Störungen und Unruhen in der Gruppe.
Ein weiterer positiver Aspekt der teambildenden Maßnahmen ist die Schaffung einer gut fundierten Vertrauensbasis. Diese ist unter anderem im Turnen eine wichtige Grundvoraussetzung. Ihr wird besonders in Partner- und Gruppenübungen, aber auch zwischen Übungsleiter/innen und Kindern, zum Beispiel während der Hilfestellung, große Bedeutung zugeschrieben.

Zusammenfassend lässt sich die Theorie der teambildenden Maßnahmen in Bereiche der Kooperation und des Vertrauens gliedern. Gleichermaßen lassen sich die betreffenden Spiele in diese beiden Kategorien unterteilen.

Kooperationsspiele:

Spinnennetz

Eine Schnur wird so zwischen zwei Pfosten gespannt, dass eine Netzstruktur entsteht. Die Aufgabe der Kinder besteht darin von einer Seite des Netzes auf die andere zu gelangen ohne das Netzt zu berühren. Ansonsten schnappt sie die Spinne und alle beginnen gemeinsam von vorn.

Variation: Jede Netzlücke darf nur einmal genutzt werden (Anzahl der Lücken entsprechend der Anzahl der teilnehmenden Kinder). Hängende Gymnastikreifen bieten eine gute Alternative zur Schnur.

Turmbau

Die Kinder bauen gemeinsam oder in Kleingruppen aus beliebigen Alltagsmaterialien, beispielsweise Zeitungspapier oder Küchenrollenpappe, einen Turm. Dieser muss eine bestimmte Höhe in festgelegter Zeit erreichen.

Variationen: Einen weiteren Anreiz bietet ein Wettstreit gegen den/die Übungsleiter/innen. Der höchste / kreativste / stabilste Turm wird im Plenum ermittelt.

Blitzball

Die Kinder müssen einen Ball in möglichst kurzer Zeit alle genau ein Mal berühren. Die Zeit wird gestoppt und soll in der nächsten Runde unterboten werden.

Variation: Größe des Balls, Berührung mit bestimmten Körperteile (Füße, Ellbogen, etc.)

Die Mauer

Alle Kinder stehen vor einer auf der langen Seite aufrecht stehenden Weichbodenmatte. Hierfür bietet es sich an, die Matte zwischen den Barrenholmen zu platzieren (bitte eine ausrangierte Matte benutzen und auf eine Sicherung mit Turnmatten ringsherum achten). Aufgabe ist es, dass alle von der einen auf die andere Seite gelangen.

Lichtschranke

Eine Schnur wird so gespannt, dass sie sich etwa auf Hüfthöhe der Kinder befindet. Ziel des Spiels ist es die "Lichtschranke" ohne Berührung gemeinsam zu überwinden. Bei Berührung wird neu begonnen.

Variation: Die Schwierigkeit kann durch die Höhe der Schnur bestimmt werden. Zusätzlich können Materialien gegeben werden, welche das Überqueren vereinfachen können.

Natürlich können alle Spiele auch kompetitiv ausgetragen werden.

Vertrauensspiele:

Pendel

Drei bis vier Kinder stehen im Kreis. Ein Kind positioniert sich in der Mitte und versucht möglichst den ganzen Körper gerade und angespannt zu halten, während die anderen es mit leichten Schupsbewegungen hin und her pendeln lassen.

Variation: Augen schließen oder verbinden.

Freefall-Tower

Die folgende Übung sollte nur durchgeführt werden, wenn der/die Übungsleiter/in sicher sein kann, dass die teilnehmenden Kinder über eine gute Körperspannung verfügen und diese auch über einen gewisse Zeitraum halten können:
Alle Kinder versammeln sich gemeinsam mit dem/der Übungsleiter/in um eine Weichbodenmatte, auf der eine Turnmatte liegt. Auf dieser darf sich immer ein Kind im Liegen auf dem Rücken positionieren. Zur Sicherheit muss das Kinn auf die Brust gelegt und eine gute Körperspannung gehalten werden. Gemeinsam wird nun die Weichbodenmatte gleichmäßig angehoben (die Kinder können die Höhe selbst bestimmen). Auf drei treten alle einen Schritt zurück und lassen die Matte fallen.

Variation: Die Weichbodenmatte kann bei älteren Kindern auch von weiter oben fallen gelassen werden. Zudem kann statt der liegenden auch eine stehende Position eingenommen werden. Zu beachten ist dabei eine sichere Haltung mit leicht gebeugten Knien (niemals durchstrecken) und aufrechtem Oberkörper. Besonderer Nervenkitzel entsteht wenn der/die Übungsleiter/in im Stummen, durch Handzeichen, das Kommando zum Fallenlassen gibt.

Vertrauensfall

Ein Kind lässt sich von einer erhöhten Position, rückwärts und mit angespanntem Körper fallen. Alle anderen stehen dahinter bereit und fangen ihn auf

Variation: Seitwärts fallen lassen. Augen schließen.

Blindenparcours

Die Kinder gehen paarweise zusammen. Ein Partner schließt die Augen, der andere führt ihn durch einen Geräteparcours.

Variation: Der Partner wird nur durch Kommunikation, ohne Körperkontakt, geführt.

Motivationsreize können gegebenfalls durch Zeitdruck, verschiedenen Schwierigkeitsstufen und den Einsatz von verschiedenen Materialien geschaffen werden.