Otago - das Sturzpräventionsprogramm für zu Hause (Teil II)

© DTB, Heiko Wolfraum

Otago - das Sturzpräventionsprogramm für zu Hause (Teil II)

© DTB, Heiko Wolfraum

Text von Karin Kampe

Beim Gleichgewichtstraining hat Sicherheit höchste Priorität. Dennoch ist es wichtig, an der individuellen Leistungsgrenze zu trainieren, um einen Trainingsfortschritt erzielen zu können.Den Teilnehmern muss vermittelt werden, wie sich Gleichgewichtstraining an der individuellen Leistungsgrenze anfühlt:

Man darf dabei leicht wackeln und es ist erwünscht, wenn man sich etwas unsicher fühlt.

Genau das möchte man erreichen! Häufig haben Teilnehmer das Gefühl eine Übung falsch zu machen, wenn sie leicht wackeln und halten sich aus diesen Gründen fest. Dieses Prinzip muss immer wieder vermittelt werden, auch wenn es für Sie als Übungsleiter völlig logisch erscheint.

Der Umstand, dass jeder Teilnehmer an seiner individuellen Leistungsgrenze trainieren sollte, erfordert die Kenntnis verschiedener Übungsvariationen. Es zeichnet einen guten Übunsgleiter aus, jedem einzelnen Teilnehmer seine individuelle Übung zuweisen zu können. Hilfreich kann bei der Wahl der geeigneten Übung folgende Ansage sein:

„Jeder, der gerade das Gefühl hat bei der Übung leicht zu wackeln oder sich leicht unsicher fühlt, macht eine kurze Pause und wiederholt diese Übung. Jeder, der bei der Übung sicher steht, versucht mal folgende Übungsvariation.“ (Steigerungsmöglichkeit aufzeigen.)

Sie kennen folgende Situation sicherlich: Ein Teilnehmer neigt zur Selbstüberschätzung und macht alle Übungen mit. Bei diesem Teilnehmer hilft es die „richtige“ Übung zuzuweisen und keine Wahlmöglichkeit zuzulassen.

Folgende Situation ist Ihnen sicherlich auch bekannt: Ein Teilnehmer macht alle Steigerungsformen mit, hält sich aber bei den schwierigeren Übungen fest. Hier hilft es darauf hinzuweisen, dass im Gleichgewichtstraining Folgendes gewollt ist:

Lieber eine leichtere Übung ohne Festhalten durchzuführen als eine schwere Übung mit Festhalten.

Und nun viel Spaß bei den Gleichgewichtsübungen!

1. "Rückwärtsgehen“

Ausgangsposition:
Stellen Sie sich aufrecht hin und stützen Sie sich gegebenenfalls an einer festen Haltemöglichkeit ab.

Ausführung:
Gehen Sie 10 Schritte rückwärts. Drehen Sie sich um und gehen Sie wieder 10 Schritte rückwärts zum Ausgangspunkt zurück.

Wofür?
Um besser nach hinten ausweichen zu können. Um leichter die Türe öffnen zu können.


Anzahl der Wiederholungen:

4 x 10 Schritte

Probieren Sie das auch im Seitwärtsgang, damit Sie bei Seniorennachmittag besser an einer Stuhlreihe vorbei gehen können.

2. "Achten gehen“

Ausgangsposition:
Stellen Sie sich aufrecht hin und stützen Sie sich gegebenenfalls an einer festen Haltemöglichkeit ab.

Ausführung:
Stellen Sie sich eine auf dem Boden liegende Acht vor. Gehen Sie diese Acht. Machen Sie eine kurze Pause. Gehen Sie noch einmal eine Acht.

Wofür?
Um spontane Richtungswechsel besser durchführen zu können.

Anzahl der Wiederholungen:   
2 x

3. "Seiltänzergang"

Ausgangsposition:
Stellen Sie sich aufrecht hin und stützen Sie sich gegebenenfalls an einer festen Haltemöglichkeit ab.

Ausführung:
Stellen Sie einen Fuß genau vor den anderen, die Zehen berühren die Fersen. Stellen Sie jetzt den hinteren Fuß genau so vor den vorderen. Führen Sie 10 Schritte im Seiltänzergang durch. Drehen Sie sich um. Führen Sie noch einmal 10 Schritte im Seiltänzergang durch.

Wofür?
Um sicherer gehen zu können.

Anzahl der Wiederholungen:
2 x 10 Schritte


4. "Einbeinstand"

Ausgangsposition:
Stellen Sie sich aufrecht hin und stützen Sie sich gegebenenfalls an einer festen Haltemöglichkeit ab.

Ausführung:
Stellen Sie sich auf ein Bein. Versuchen Sie diese Position 10 Sekunden zu halten. Stellen Sie sich nun auf das andere Bein. Versuchen Sie, diese Position 10 Sekunden zu halten.

Wofür?
Um eine Hose besser anziehen zu können. Um besser Treppen steigen zu können.

Anzahl der Wiederholungen:
1 x pro Seite bis zu 30 s halten

5. "Fersengang“

Ausgangsposition:
Stellen Sie sich aufrecht hin und stützen Sie sich gegebenenfalls an einer festen Haltemöglichkeit ab.

Ausführung:
Stellen Sie sich auf die Fersen, die Zehen beidseitig vom Boden abheben. Gehen Sie 10 Schritte auf Ihren Fersen. Stellen Sie den Fuß wieder flach auf den Boden und drehen Sie sich um. Gehen Sie 10 Schritte auf Ihren Fersen zurück zum Ausgangspunkt.

Wofür?
Um die Zehen besser anheben zu können (benötigt man beispielsweise besonders beim Treppen steigen). Um besser gehen zu können.

Anzahl der Wiederholungen:
4 x 10 Schritte

6. "Zehengang"

Ausgangsposition:
Stellen Sie sich aufrecht hin und stützen Sie sich gegebenenfalls an einer festen Haltemöglichkeit ab.

Ausführung:
Stellen Sie sich auf die Zehen, die Fersen beidseitig vom Boden abheben. Gehen Sie 10 Schritte auf Ihren Zehen. Stellen Sie den Fuß wieder flach auf den Boden und drehen Sie sich um. Gehen Sie 10 Schritte auf Ihren Zehen zurück zum Ausgangspunkt.

Wofür?
Um leichter etwas von einem hohen Regal runter holen zu können.

Anzahl der Wiederholungen:
4 x 10 Schritte

Quelle

Das Otago-Programm wurde 2003 von John Campbell und Clare Robertson erstellt und wissenschaftlich evaluiert. Die Zeichnungen sind aus dem Original-Handbuch entnommen. Dieses mit näheren Informationen finden Sie hier

Da das Original eine englische Version ist, finde Sie hier die deutsche Übersetzung dazu.