Halten Sie Ihr Gehirn fit

Bewegen nützt den grauen Zellen

von Bettina M. Jasper
Dipl. Sozialpädagogin + Gehirntrainerin

Neugierig sein, Unbekanntes ausprobieren und sich geistig fordern – das ist für jeden Menschen wichtig, der flexibel bleiben möchte. Für ältere Menschen ist solches Verhalten nahezu unerlässlich, wenn sie im höheren Alter noch selbstständig sein und ihren Alltag bewältigen möchten.
Das Positive daran: Wer einmal beginnt und sich traut, stellt fest, dass das Training sogar Spaß macht. Der Königsweg zu einem leistungsfähigen Gehirn im Alter geht nämlich übers Bewegen. Dabei ist es überhaupt nicht wichtig, dass immer alles (auf Anhieb) gelingt. Allein der Versuch, sich einer neuen Bewegungsaufgabe zu stellen, bringt Impulse für die grauen Zellen. Das Gehirn, das durch Aktivität auch im Alter noch ständig auf- und umgebaut wird, bleibt so den Anforderungen gewachsen.  Jede neue Bewegung hinterlässt ihre Spuren im Gehirn. Das sind Erfahrungen, Sinneseindrücke, Gefühle …, die Schwung ins Denkorgan bringen. Und ganz nebenbei schützt die körperliche Aktivität auch noch vor Demenz.

Je älter wir werden, desto mehr Zeit brauchen wir zwar, um etwas Neues – also auch eine Bewegung – zu lernen, aber dafür sind Erfolgserlebnis und praktischer Nutzen im Alltag umso größer. Es lohnt sich, nicht nur Gekonntes stetig zu wiederholen, sondern sich ständig neue Herausforderungen zu suchen. Das muss nicht immer eine neue Sportart, ein neues Spiel oder ein neuer Tanz sein. Oft genügt es, eine Übung mit immer wieder wechselnden Details zu verändern oder durch Zusatzanforderungen zu erschweren.
Gerade Koordinations- und Doppelaufgaben bieten dazu eine Vielzahl an Möglichkeiten. Hier einige Beispiele:

Die Übungen in unterschiedlichen Ausgangspositionen durchführen, z. B.:     
Im Stand, einzeln bzw. zu Paaren gegenüber.

› Füße parallel, schulterbreit auseinander.

› Füße geschlossen, nebeneinander.

› Im Einbeinstand, abwechselnd rechts und links.

› Auf einer instabilen Unterlage stehend (zusammengerollte Matte, Aerostep o.  Ä.). Bei Unsicherheit zunächst Unterlage so positionieren, dass die Teilnehmer mit dem Rücken zur Wand stehen. Bei Partnerübungen steht anfangs A auf der instabilen Unterlage, B auf festem Grund.

› Abstand anfangs etwa zwei Armlängen, allmählich vergrö-ßern.

› In der Fortbewegung.

Die folgenden Aufgaben mit den Ausgangspositionen oben unterschiedlich kombinieren.

Säckchentausch mit Variationen

Einzeln:

  • 1 Säckchen im ständigen Wechsel von der rechten in die linke Hand werfen.
  • Wie oben, aber mit geschlossenen Augen.
  • 2 Säckchen – eins in der rechten, eins in der linken Hand – beständig hin- und herwerfen, die Positionen gleichmäßig wechseln lassen.
  • Wie oben, aber mit geschlossenen Augen.


Paarweise gegenüber:

  • 1 Säckchen mit beiden Händen gegenseitig zuwerfen.
  • Säckchen mit geschlossenen Augen fangen. A wirft mit offenen, B fängt mit geschlossenen Augen. Das funktioniert natürlich nur bei gezieltem Zuspiel!
  • Nur mit einer Hand werfen, im Wechsel rechts und links.
  • Wie oben, aber das Säckchen liegt flach auf der Handfläche (längs und quer ausprobieren!), wird so abgespielt und angenommen, bleibt in der Flugphase möglichst in horizontaler Position.
  • Wie oben, aber das Säckchen wird mit dem Handrücken gespielt.
  • Wie oben, aber mit 2 Säckchen, mit rechter und linker Hand gleichzeitig werfen bzw. fangen.
  • Wie oben, aber A und B haben je 1 Säckchen, werfen und fangen jeweils beide gleichzeitig, finden dabei in einen gleichmäßigen Takt.
  • 2 Säckchen flach zuspielen wie oben, aber rechts mit dem Handrücken, links mit der Handfläche. Bei jedem Wurf zwischen Handrücken und –fläche wechseln.
  •  4 Säckchen sind im Einsatz, A und B spielen jeweils 2 Säckchen gleichzeitig, verständigen sich, wer seine Säckchen hoch und wer tief wirft, damit sich die Flugbahnen nicht kreuzen und beide versuchen, in einen gleichmäßigen Takt zu finden.

Säckchen werfen & Ball rollen

Paarweise gegenüber:

  • Mit den Händen 1 Säckchen hin- und herwerfen. Gleichzeitig – möglichst im Takt völlig unabhängig – mit den Füßen einen Ball hin- und herrollen.
  • Wie oben, aber den Ball im Wechsel einmal mit dem rechten, einmal mit dem linken Fuß zuspielen.

Säckchen werfen & buchstabieren

Bei dieser Doppelaufgabe (Dual Tasking) geht es darum, eine Bewegungs- und eine Denkaufgabe zeitgleich zu lösen.
Beide Partner A und B verständigen sich vor Beginn der Übung jeweils über ein langes Wort, das dann gemeinsam buchstabiert wird. A und B nennen abwechselnd jeweils einen Buchstaben.
Paarweise gegenüber:
1 Säckchen beständig beidhändig hin- und herwerfen, dabei gleichzeitig

  • ein langes Wort buchstabieren, z. B. „G – e – h – i – r – n – t r – a – i – n – i – n – g“.
  • ein langes Wort rückwärts buchstabieren, z. B. „e – b – a – g – f – u – a – l – e – p – p – o – D.


Schwieriger wird es, wenn das zu buchstabierende Wort zu Beginn nicht vereinbart wird, nicht bekannt ist.

  • A denkt sich ein beliebiges Wort, z. B. „Bohnensäckchen“, und beginnt laut mit dem ersten Buchstaben „B“. B denkt dabei an ein anderes Wort, z. B. „Ballspiel“ und setzt fort mit „a“. A denkt an „Bahnfahrt“ und macht weiter mit einem „h“ usw. Das geht so lange, bis die Buchstabenkette nicht mehr weiter zu einem sinnvollen Wort fortgesetzt werden kann.

Möglichst darauf achten, dass der Takt beim Säckchenwerfen gleichmäßig bleibt, völlig unabhängig vom Nennen der Buchstaben. Also: Das Säckchen bleibt ständig in Bewegung, nicht festhalten, auch wenn es mit dem Buchstabennennen einmal stockt!!!

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