Eugen Spiridonov im Porträt

Der ruhige Blonde

Eugen Spiridonov, den Namen kennt man in Turnerkreisen spätestens seit seiner Silbermedaille am Pauschenpferd bei den Europameisterschaften 2006 im griechischen Volos. Der 28-Jährige vom saarländischen TV Bous feierte in Griechenland seinen größten Einzelerfolg und beendete mit dieser Platzierung für sich eine lange Durststrecke. Im April 2010 sicherte er sich seinen ersten internationalen Titel: Zusammen mit der Mannschaft gewinnt er Gold bei den Europameisterschaften in Birmingham.

Langer und steiniger Weg

Im August 2001 siedelte der 1,64 Meter große Turner mit zwei Dutzend seiner Verwandten aus Tscheljabinsk im Südural, etwa 4000 Kilometer östlich von Moskau, nach Deutschland über. Zwischenzeitlich hatte der Neunte der russischen Mehrkampfmeisterschaften von 2001 nicht einmal genau gewusst, ob er seine Turnkarriere würde fortführen können. Zunächst steckten die Spiridonovs, Eugens Großmutter heißt mit Nachnamen Degenhard, im Übergangslager in Dudweiler fest, dann war der Turner mit intensiven Sprachkursen beschäftigt. "In dieser Zeit ging´s mit dem Turnen abwärts", sagt der DTB-Turner. Der Weg nach oben war dann lang und steinig. Paul Rupp (Manager TG Saar) und Trainer Victor Schweizer waren Eugens Förderer in Saarbrücken. In der Bundesliga wurde Spiridonov mit dem Team der TG Saar, für die er seit 2002 an den Start geht, 2007 Zweiter.

Seit 2004 trainiert der Hobby-Fußballer hauptsächlich im Stuttgarter Kunstturn-Forum unter Klaus Nigl und Gunter Schönherr und ist Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Nach den Weltmeisterschaften 2006 in Aarhus (DEN) verletzte sich der Mehrkampf-Spezialist, der seit seinem siebten Lebensjahr turnt, schwer an der Schulter und musste acht Monate pausieren. Freude am Turnen hat der Familienvater vor allem, wenn er ausgeruht ist. "Manchmal macht es auch keinen Spaß, besonders wenn man müde und kaputt ist und trotzdem weiter trainieren muss. Es steckt viel Arbeit und Überwindung darin. Aber es macht Spaß. Es ist jedes Mal eine große Herausforderung", erzählt der DTB-Turner.

Mit seinem guten Meisterschaftsauftritt in Gießen 2007 sicherte sich der Sportsoldat die Nominierung zur EnBW Turn-WM in Stuttgart im selben Jahr. Dort feierte der Wahl-Saarländer mit dem dritten Platz in der Mannschaftswertung seinen bis dahin größten sportlichen Erfolg. Die Bürger des Saarlandes ehrten ihn aufgrund seiner Leistungen zum "Sportler des Jahres 2007".

Position zurechtgerückt

2008 konnte sich Spiridonov in der Qualifikation für die Europameisterschaften in Lausanne (SUI) nicht durchsetzen. "Mir hat die Entscheidung, Spiridonov nicht mit zur EM nach Lausanne zu nehmen, weh getan", so der Cheftrainer Andreas Hirsch. Doch durch seine beeindruckenden Leistungen bei der 1. Olympiaqualifikation in Berlin und bei den Deutschen Meisterschaften in Chemnitz führte an ihm kein Weg vorbei zu den Olympischen Spielen nach Peking. "Er hat in Aalen beim Länderkampf im Mai einen super Wettkampf gemacht. Er hat sich mit dem 2. und 3. Platz seine Position zurechtgerückt", begründete Hirsch die Nominierung des Saarbrückers. Am Ende reicht es für Platz vier mit der Mannschaft. Auch bei den Europameisterschaften 2010 in London ist der gebürtige Russe eine sichere Bank im Team. Mit zwei guten Leistungen an Pauschenpferd und Barren komplementiert Eugen das hervorragende Abschneiden der deutschen Mannschaft und ist damit wesentlich am Gewinn der Goldmedaille beteiligt.

Die Stärken des 28-jährigen Allrounders liegen vor allem an den Ringen und am Reck. Das Motto des blonden DTB-Athleten lautet: "Turnen gibt dir alles: Kraft, Geduld, Reaktion und macht Spaß." Nach den Olympischen Spielen schraubte Spiridonov sein Trainingspensum deutlich zurück und tritt nur noch auf nationaler Ebene zu Wettkämpfen an. "Ich habe vier Jahre lang nur geturnt und geturnt. Jetzt wird es Zeit, mal was anderes zu machen." Spiridonov hat eine Stelle als Sportlehrer an einer Schule und genießt die Zeit mit seiner Frau und Tochter Lana.