Fabian Hambüchen im Porträt
Der Perfektionist - talentiert, ehrgeizig und erfolgreich
Die Superlative gehen für das Aushängeschild der deutschen Männerriege nicht aus: "Größtes Talent des deutschen Turnsports", "Turnwunder Hessens" oder "Turn-Virtuose". Der 1,63 Meter große Wetzlarer, der 1987 in Bergisch-Gladbach geboren wurde, gewann bei den Olympischen Spielen 2008 nicht nur die Bronzemedaille am Reck, sondern war, wie schon 2004 in Athen, auch der Quotenhit der ARD. "Olympia ist wirklich das Größte, ich kann davon nicht genug bekommen", sagte Hambüchen.
Projekt Familienunternehmen Hambüchen
Schon als Kleinkind trieb "Fabi" sich in der Turnhalle herum, wo sein Vater mit seinem älteren Bruder trainierte. "Er war schon immer rotzfrech, aber permanent lustig. Er hat schon als Kleinkind seine Witze gemacht", erzählt sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen, der seit 1987 Landestrainer beim Hessischen Turnverband ist. Mit vier Jahren begann Fabians Turnkarriere, die zum erfolgreichen Projekt des Familienunternehmens Hambüchen gereift ist. Mutter Beate kümmert sich in Wetzlar-Niedergirmes darum, dass ihre Leute die Bodenhaftung trotz EM- und WM-Titeln behalten. Der 55-jährige Onkel und Mentalcoach Bruno Hambüchen bereitet seit vier Jahren seinen Neffen auf die Wettkämpfe vor. "Bisher gab es noch keinen Moment, an dem ich mir gesagt hätte, weg damit, ich brauche ein neues Umfeld. So will ich bis zum Ende meiner Karriere weiter machen", sagt Fabian.
Bei der EnBW Turn-WM 2007 in Stuttgart ließ Fabian mit seinem Weltmeistertitel am Reck die Halle beben. Die Olympischen Spiele im Jahr darauf verliefen für Fabian nicht ganz wunschgemäß. Beim Mannschaftsfinale verletzt er sich am kleinen Finger. Dennoch holte der deutsche Vorturner an seinem Spezialgerät bei seinen zweiten Olympischen Spielen seine erste Olympiamedaille und erzielte dazu noch drei sehr gute vierte Plätze am Boden, Barren und mit der Mannschaft. "Er hatte sich auch für das Mehrkampffinale viel vorgenommen. Gerade nach den Blessuren der letzten Zeit ist seine Leistung hoch zu bewerten", sagte Cheftrainer Andreas Hirsch nach dem siebten Platz im olympischen Mehrkampffinale.
Dass Hambüchens Ehrgeiz noch lange nicht gestillt ist, bewies er 2009 bei den Europameisterschaften. Gold im Mehrkampf und am Boden, dazu Bronze am Barren. Bei den darauffolgenden Weltmeisterschaften in London muss der Turnfloh aber erst mal einen Rückschlag einstecken: Im Training verletzt sich Fabian am Fuß - das Aus für die globalen Titelkämpfe. 2010 kann er aber wieder strahlen: 55 Jahren nach dem letzten Triumph einer deutschen Mannschaft bei europäischen Meisterschaften gewinnt Fabian zusammen mit seinen Teamkollegen Mannschaftsgold bei den Europameisterschaften in Birmingham. Ein dritter Platz am Reck ergänzt den Medaillensegen. Bei den Weltmeisterschaften 2011 in Tokio verpasste er am Reck nur knapp das Podest und sicherte sich den vierten Platz. Dennoch hat Fabian noch ein großes Ziel vor Augen: Der Olympiasieg 2012 steht ganz oben auf seiner Wunschliste.
Wenn es richtig abgeht
Die Nummer Eins in Deutschland überzeugt durch seine Nervenstärke und Kampfeswillen. Nach Niederlagen oder Übungsfehlern zeigt sich Hambüchen stets kämpferisch und nimmt die Energie aus dem kurzzeitigen Ärger mit in den nächsten Wettkampf. "Ich mag es, wenn es im Wettkampf so richtig abgeht. Dann kann ich Topleistungen abliefern. Ich brauche den Druck, den Kitzel vor und während dem Wettkampf", erzählt der Ausnahmeturner, den Chefcoach Hirsch als den Frontmann und das Rückgrat der Mannschaft bezeichnet.
Wenn Fabian sich fortbilden will, dann trainiert er im japanischen Yokohama mit den Gerätartisten von Team-Olympiasieger Japan. Die Aufenthalte im Land der aufgehenden Sonne nutzt Fabian dann auch, um shoppen zu gehen. Hosen in Deutschland zu kaufen ist für das Muskelpaket ein "Riesenproblem". "In der Erwachsenenabteilung fangen die Größen bei 32 an, und ich brauch' 28 oder 29. Deswegen kaufe ich meine Hosen in Japan". Schließlich will Fabian auch abseits der Bodenmatte eine gute Figur abgeben. Geschmacklich zieht es ihn eher nach Italien. Denn Pizza isst der Sportler am liebsten.
Showtyp mit vielen Talenten
Fabian Hambüchen ist Deutschlands Turnstar, Mädchenscharen drängen sich auf der Jagd nach einem Autogramm vom Weltmeister wo auch immer er auftaucht. Kein Wunder, denn Hambüchen liebt die Show. Sei es für seine Fans, im Wettkampf oder im Fernsehen. Die Teilnahme bei Stefan Raabs TV Total Turmspringen ist für Fabian eine willkommene Wettkampfabwechslung. Aber gewinnen möchte er dann doch ganz gerne...
Zwischendurch probiert sich der Turner auch mal ohne Geräte. Im Breakdance. "Ich würde saugern diesen Air Flare machen. Diesen Effekt zu haben, den kein anderer hat - das wäre richtig klasse", sagte Hambüchen gegenüber der FAZ (31.05.2009), als er sich beim Deutschen Turnfest 2009 mit Breakdancer Lil Ceng traf. Der Air Flare wurde dieses Jahr, aus dem Breakdance entliehen, neu in das Wettkampfprogramm der Turner aufgenommen.
Was Hambüchen in sportlicher Hinsicht neben dem Olympia-Gold noch fehlt, ist ein Element, das nach ihm benannt wird. "Ideen dafür habe ich schon im Kopf", sagt der zweifache Welt- und Europameister. Das Motto des Boxidols Muhammad Ali ist auch Fabians: "Ich bin, wie ich bin - und nicht, wie ihr mich haben wollt."




