Marcel Nguyen im Porträt
Bewegungstalent im "Modell Leichtbauweise" mit Tsukahara
Der Münchner Marcel Nguyen fällt durch sein enormes Bewegungspotenzial unter den Turnern auf. Mit seiner außergewöhnlichen Begabung überzeugte Marcel Cheftrainer Andreas Hirsch das erste Mal bei den Weltmeisterschaften im australischen Melbourne 2005. Damals war es für die Fachwelt noch überraschend, da der Barren-Spezialist außer ein paar Länderkämpfen bei den Junioren und einem Deutschen Jugendmeistertitel wenig vorzuweisen hatte. Heute ist der Deutsche Meister (2010 & 2011) ein starker Bodenturner und als Allrounder kaum noch aus der deutschen Mannschaft wegzudenken.
Der 23-Jährige, Sohn eines Vietnamesen und einer Deutschen, kam mit vier Jahren durch das Mutter-Kind-Turnen im TSV Unterhaching zum Gerätturnen. Drei Jahre später stieg er unter Trainer Richard Hörle in den Leistungssport ein. Von 1995 an trainierte Nguyen im Landesleistungszentrum München und wechselte zwei Jahre später in den Perspektivkader. Dort schaffte er unter den damaligen Jugendtrainern Andreas Hirsch und Jens Milbradt den Sprung in den B-Kader. "Ich kenne ihn, seit er zehn Jahre alt ist und weiß, was für Potential in ihm steckt", meint Hirsch über den schüchtern wirkenden Münchner.
Das Super-F-Teil
Seit Anfang 2007 gehört Marcel der Sportfördergruppe der Bundeswehr an. Am Olympiastützpunkt Stuttgart trainiert der 1,62 Meter große Turner, der in der Bundesliga für die KTV Straubenhardt startet, unter der Leitung von Valeri Belenki. Wurde ihm früher oft vorgeworfen, sein Talent zu verschleudern, scheint Marcel seit er sein Abitur gemacht hat und sich ganz dem Sport widmen kann, wirklich erkannt zu haben, wie viel Talent in ihm steckt, und was er alles erreichen kann.
Nur vier Turner der absoluten Turner-Weltelite beherrschen den Tsukahara als Abgang am Barren. Das Super-F-Teil, benannt nach seinem Erfinder, dem japanischen Reck-Olympiasieger von 1972 und 1976, gilt als Qualitätsmerkmal Nguyens, das er "mal im Training ausprobiert" und es sich dann innerhalb einer Woche selbst beigebracht hat. DTB-Coach Hirsch sagt über Marcel Van Minh Phuc Long Nguyen, wie der deutsche Olympiastarter mit der gestylten Irokesen-Frisur mit vollem Namen heißt, "er besitzt alle Vorteile eines Turners mit asiatischer Leichtbauweise". Auch am Reck und am Boden hat der junge Bayer, der neben dem Turnsport eine Leidenschaft für die Musik hat, stabile Ausführungen zu bieten, allein am Pauschenpferd sieht Marcel seine Schwäche.
"Ich will ins Finale"
Als Vorbild nennt Marcel Ronny Ziesmer, "weil er nie die Hoffnung verloren hat". Der DTB-Athlet hat nach eigenen Angaben viel durch den Sport gelernt und weiß schwierige und vielfältige Anforderungen zu bewältigen. "Auch wenn man mal an seine Grenzen stößt, es geht im Turnen immer irgendwie weiter und es wird nie zur Routine", erzählt der Gerätturner.
Bei seinen ersten Olympischen Spielen nahm sich der 23-Jährige viel vor: "Ich will mit der Mannschaft auf jeden Fall ins Teamfinale und dann mal sehen was rauskommt. Spitze wäre, wenn ich es in ein Gerätefinale schaffen würde." Nguyen konnte in Peking seine Medaillenchance nicht verwirklichen, da für ihn die Qualifikation nicht optimal verlaufen war. Im Team holte er sich im Finale den vierten Platz. Für die WM im Oktober 2009 in London gehörte Marcel schon fast zum Stammpersonal. Ohne Probleme sicherte er sich das WM-Ticket bei den Qualifikationswettkämpfen. Und das zurecht, wie er mit einem starken 12. Platz im Mehrkampf bewies. Für den Turner des TSV Unterhaching war dies die erste Finalteilnahme bei einer Weltmeisterschaft. Auch 2010 zeigt Marcel, dass er im Moment zu den Topturnern Deutschlands gehört. Neben Mannschaftsgold holte er bei den Europameisterschaften in Birmingham 2010 Bronze am Boden. Und auch bei den Deutschen Meisterschaften ist er ganz vorne dabei. Gold im Mehrkampf sowie am Barren bestätigen die überragende Form des Athleten.
Bei dem Europameisterschaften 2011 im eigenen Land konnte sich Marcel sogar die Goldmedaille am Barren und Bronze am Reck erturnen.
Marcels Motto lautet: "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren."




