Marie-Sophie Hindermann im Porträt

"Ihre Grenzen liegen nirgendwo"

"Marie ist eher der aufgedrehte Typ, ich bin eher ruhiger", sagt Anja Brinker, die Zimmerkollegin von Marie-Sophie. Viele vergleichen die 1,74 Meter große Hindermann mit der russischen Turn-Diva Swetlana Chorkina, eine der besten Turnerinnen der 90er Jahre. Ausstrahlung und Eleganz wachsen der Schwäbin nicht allein durch ihre Größe, sondern auch durch ihren bezaubernden Charakter.

Die 19-Jährige stammt aus einer Familie, in der schon Großvater, Mutter und Vater leidenschaftliche Turner waren. Seit 2004 gilt die Schülerin als größtes Talent im deutschen Frauenturnen. Sie unterstrich diesen Ruf erstmals bei den Junioren Europameisterschaften im griechischen Volos 2006, als Marie-Sophie die Silbermedaille am Sprung, sowie Bronzemedaillen am Stufenbarren, im Einzel-Mehrkampf und mit der Mannschaft gewann. Die Erfolge sind Verdienst ihrer Mutter, Marie-Luise "Guti" Probst-Hindermann und STB-Landestrainerin, die ihren "Tiger" als 4-Jährige zum Turnen brachte und zu ihrer langjährigen Trainerin Tamara Khokhlova von der Marie-Sophie, wie sie selbst sagt "ganz viel gelernt hat."

Die zukünftige Vorturnerin

Von 2007 an setzte Hindermann ihre Karriere bei den Senioren fort. So gehörte sie bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart der deutschen Mannschaft an, die sich mit einem zehnten Platz für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking qualifizieren konnte. Zudem war Marie-Sophie in Stuttgart mit Platz 14 beste Deutsche im Mehrkampf und belegte am Stufenbarren einen hervorragenden fünften Platz. "Wenn Sie die Führungsrolle nicht schon heute besitzt, so wird sie diese spätestens in ein, zwei Jahren übernehmen", sagte Ulla Koch nach der WM. Marie-Sophie selbst möchte eher noch nicht die "Vorturnerin" sein. "Die WM hat mir gezeigt, dass ich mehr kann als ich mir oft zugetraut hätte. Obwohl ich fasst das ganze Jahr 2007 verletzt war, habe ich viel erreicht", so Marie.

Als ehrgeizige Turnerin hat sie gelernt, zielstrebig zu sein, "das hilft mir im Leben weiter." Es hilft ihr auch, die vielen Rückschläge zu verdauen. Immer wieder ist Marie von Verletzungen gebeutelt. Kurz vor den Olympischen Spielen in Peking 2008 erlitt sie einen Anriss der Achillessehne. "Die Diagnose hat mich erschüttert, ich hatte kurz Zweifel, ob ich es noch einmal schaffe. Doch jetzt merke ich, dass es immer besser wird". Marie biss sich durch, turnte die Olympischen Spiele und unterzog sich erst danach einer Operation der lädierten Sehne. 13 Monate nach der OP wollte Hindermann wieder angreifen, um die Qualifikation zur WM 2009 in London zu schaffen. Doch dies kam nach der Verletzung zu früh. Cheftrainerin Ulla Koch glaubt an ihre Turnerin. "Maries Perspektiven sind sehr groß, wenn sie gesund bleibt. Ich hoffe, dass sie auch noch einen zweiten Olympiazyklus mitmachen kann".Die Tübingerin wurde jedoch auch weiterhin vom Verletzungspech verfolgt. Bei den Europameisterschaften 2010 in Birmingham war sie zwar dabei und erreichte einen 46. Platz im Mehrkampf, in Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften im September passierte ihr jedoch eine Missgeschick: Sie stürzte bei einem Flugelement vom Stufenbarren und verletzte sich so schwer am Ellenbogen, dass sie neben den nationalen Titelkämpfen auch nicht an den Weltmeisterschaften in Rotterdam teilnehmen konnte. 

Sie hat ihren eigenen Kopf

Neben dem Turnen findet Marie-Sophie Gefallen am Backen, kochen, shoppen und Freunde treffen. Das Motto der "deutschen Chorkina" lautet: "Turnen macht Spaß, und es ist ein super Gefühl durch die Lüfte zu fliegen." Das merkt man auch an ihren Wünschen: Sie würde gerne mal Fallschirmspringen und Bungeejumping machen.

"Marie-Sophie ist hoch talentiert, ausdrucksstark und eine ausgesprochen schöne Turnerin", lobt Cheftrainerin Ulla Koch und fügt hinzu: "Ihre Grenzen liegen nirgendwo." Marie ist nicht nur ein Bewegungstalent, sondern auch hoch intelligent. Im Gymnasium übersprang sie eine Klassenstufe und meistert die Doppelbelastung wie keine andere. Dabei ist Marie ausgeglichen und doch auch ein typischer Teenager.