Anna Dogonadze im Porträt
"Älter werden, jünger aussehen"
"Sie ist ein Phänomen, wie sie immer wieder ihre Leistung auf den Punkt bringen kann", sagt Cheftrainer Michael Kuhn über die gebürtige Georgierin Anna Dogonadze. Bei ihren ersten Olympischen Spielen 2000 in Sydney machte ihr eine Erkältung mit 39 Grad Fieber die Titelchance zur Nichte. Ihren bisherigen Karrierehöhepunkt erreichte Dogonadze bei den Spielen vier Jahre später in Athen mit der Goldmedaille, als zweite Trampolin-Olympiasiegerin der Geschichte dieser jungen Sportart. Seitdem kann sie viel befreiter springen. "Ich mache mir nicht mehr so viel Druck", sagt die Diplomsportlehrerin.
Mit sechs Jahren begann sie das Turnen im georgischen Mzcheta, angestoßen durch ihre Tante, Direktorin einer Akrobatenschule in der Ukraine und ihrer Oma. Zusammen mir ihrem Bruder Josef, der heute Hubschrauberpilot einer Kampfeinheit der georgischen Armee ist, machte sie ihre ersten Sprünge auf dem Trampolintuch. Ihr Zuhause ist seit 1996 Deutschland, zwei Jahre später erhielt sie den deutschen Pass und lebte bis 2007 im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach.
Der absolute Wettkampftyp

Ihr Heimtrainer im MTV Bad Kreuznach, Steffen "Eisi" Eislöffel, half der Mutter einer Tochter, sich in Bad Kreuznach zurecht zu finden. Lange Zeit nach ihrem Olympiasieg schwärmte Dogonadze noch von dem Titelgewinn und den ganzen Eindrücken, die darauf folgten. "Das ist immer noch wie im Traum. Die ganze Stadt freute sich mit mir. Ich musste zu vielen TV-Auftritten, Interviews und Sponsorengesprächen", so die Turnerin. "Anna ist eine absolute Wettkampf-Athletin, ist sehr sehr nervenstark und daher nie zu unterschätzen. Sie zeichnet sich durch sehr große Wettkampferfahrung aus", so DTB-Cheftrainer Michael Kuhn.
Ans Aufhören hat sie als mehrfache Weltmeisterin und Olympiasiegerin zwischendurch zwar gedacht, "aber das Trampolinturnen macht einfach immer noch sehr viel Spaß. Deswegen springe ich so lange, wie es meine alten Knochen mitmachen", sagt sie. Ihr Erfolgrezept besteht nach eigenen Aussagen aus einer Mischung von guter Grundlagenausbildung, enormer Wettkampferfahrung und einer professionellen Einstellung.
Kein Weg geht an ihr vorbei
In Peking 2008 zog die ausgebildete Bürokauffrau dann noch mal in das Finale der Olympischen Spiele ein, hatte im Anschluss jedoch lange Zeit mit Verletzungen sowie mehreren Bandscheibenvorfälle zu kämpfen. Doch im Frühjahr 2010 gelang der mittlerweile 37-Jährigen ein kaum für möglich gehaltenes Comeback. Bei der EM im bulgarischen Varna gewann sie mit all ihrer Klasse und Routine Gold im Synchron, Silber im Einzel und mit dem Team.
In ihrer knapp bemessenen freien Zeit geht Anna gerne tanzen, ins Kino, trifft sich mit Freunden oder geht mit ihrer Tochter schwimmen und bummeln. "Meine Stärke ist, dass ich bis zum Ende kämpfe, wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe. Leider lasse ich mich leicht überreden", beschreibt die Olympiasiegerin sich selbst. Das Motto der Integrationsbotschafterin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), deren Vorbild der russische Trampolin-Olympiasieger Alexander Moskalenko ist, lautet: "Älter werden, jünger aussehen."



