Henrik Stehlik im Porträt

"Der absolute Wettkampftyp"

Deutschlands erfolgreichster Trampolinturner Henrik Stehlik besitzt die Gabe, volle Konzentration auf die aktuelle Situation zu legen und alles andere ausblenden können. Nicht zuletzt dieser Fähigkeit hat es der Olympia-Dritte von 2004 im Einzel zu verdanken, dass er seit über zehn Jahren in der Weltspitze turnt. "Henrik ist ein absoluter Wettkampftyp und bei der Pflicht fast unschlagbar. Es hängt bei ihm immer an der anschließenden Kür", beschreibt Cheftrainer Michael Kuhn die langjährige deutsche Nummer Eins bei den Männern.

Sein Nachbar brachte Stehlik zum Trampolinturnen

Als Achtjähriger hat der Niedersachse 1988 mit dem Trampolinsport bei seiner Trainerin Ute Luxon-Pitkamin angefangen, die quasi seit dem ersten Training den heute 27-Jährigen im Verein der TG Jugenddorf Salzgitter betreut. "Er ist einfach in sämtlichen Bereichen ein Perfektionist im positiven Sinne", sagt seine Trainerin über ihren Schützling. "Die Sportart und die TGJ Salzgitter sind in meiner Heimatstadt durch die jahrelangen Erfolge bereits sehr bekannt gewesen. Mein Nachbar Ralf Widra ist früher selbst Mitglied der Nationalmannschaft gewesen und hat mich damals zum Trampolinturnen bewegt", erzählt der Niedersachse, der sich selbst als "ausgeglichen, optimistisch und kommunikativ" beschreibt. "Persönlich mag ich keine Überraschung, ich plane lieber. Turnerisch habe ich meine Stärken in der Technik, Haltung und Erfahrung. Schwächen sehe ich vielleicht in meinem etwas zu geringen Schwierigkeitsgrad", so das persönliche Mitglied des DOSB.

Meistert die "Duale Karriere" wie kein Zweiter

Nach seinem Weltmeistertitel 2003 in Hannover avancierte der vielfache Deutsche Meister zu einem der größten deutschen Olympia-Hoffnungen des DTB in Athen, was er eindrucksvoll mit der Bronzemedaille belegen konnte. Neben seiner sportlichen Karriere verfolgt der DTB-Turner wie kein Zweiter erfolgreich das Magisterstudium der Politikwissenschaften, Geschichte und Literaturwissenschaften an der Leibniz Universität, Partnerhochschule des Spitzensports, in Hannover.

Mittlerweile ist der Aktivensprecher des Deutschen Turner-Bunds scheinfrei und hat nach Peking seine Magisterarbeit und die Abschlussprüfungen in Angriff genommen. "Ich brauche mein Gleichgewicht zwischen Uni und Sport, nur wenn ich mit beidem meinen Tag füllen kann, bin ich rundum zufrieden", so der Hochleistungssportler, dessen Motto lautet: "Es ist nicht alles Gold, was glänzt."

Fremde Kulturen kennenlernen

Als Fünfter der Trampolin-WM 2007 im kanadischen Québec hatte der damals 27-Jährige sich das Ticket für die Olympischen Spiele in Peking gelöst. "Für mich hätte es zu dieser Lebensplanung keine Alternative gegeben. Ich hätte weder auf den Sport noch auf das Studium verzichten wollen und bin froh, dass ich beides gut verbinden konnte. Ich wünsche mir, dass es so bleibt - und die Rahmenbedingungen noch besser werden", sagt der Turner und fügt hinzu: "Und wenn man durch den Sport, zum Beispiel die Gelegenheit erhält, sich berühmte Denkmäler anzusehen und mit fremden Kulturen in Berührung zu kommen, entschädigt das für Vieles, auf das man verzichten muss."

Das persönliche Umfeld ist dem Sportler sehr wichtig, vor allem seine Familie. "Ich habe eine große Familie und einen großen Freundeskreis. Meine Eltern wohnen in Salzgitter, meine Familie mütterlicherseits lebt in Tschechien", so Stehlik, der in gerne liest und Musik hört. "Ich reise sehr gern und interessiere mich für Sprachen. Zur Ruhe finde ich am besten am Klavier und bei klassischer Musik." Konkrete Pläne für die Zeit nach dem erfolgten Studiumsabschluss hat Stehlik noch nicht. Vielleicht möchte er an der Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter anfangen und eine Promotion damit verbinden. Dem Trampolinsport will der World Games Gewinner von 2005 auf jeden Fall treu bleiben, zum Beispiel über ehrenamtliche Tätigkeiten, die er heute schon ausübt.

Das Henrik noch lange nicht zum ?alten Eisen? gehört, hat er eindrucksvoll bei der EM im Frühjahr 2010 bewiesen. Mit starken Leistungen und nach knapp einjähriger Wettkampfpause auf internationalem Parkett trieb er das deutsche Team zum Mannschaftsgold.