Interesse?

Wenn Sie als Übungsleiter/in Interesse haben, in der Pilotphase an der Schulung teilzunehmen und sich mit Ihrer Kinderturn-Gruppe aktiv an diesem einmaligen Projekt zu beteiligen, wenden Sie sich bitte an die zuständige Landesturn(er)jugend oder die Behindertensportjugend auf Landesebene in den Bundesländern Nordrhein Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern.
Zu den Adressen der Landesturn(er)jugenden,
den Adressen der DBS-Landesverbände
und der Homepage der DBSJ

„Kinderturnen inklusiv“

Die Deutsche Turnerjugend und die Deutsche Behindertensportjugend haben ein neues Kooperationsprojektgestartet

Wie gestalte ich eine Kinderturn-Stunde inklusiv, d.h. für Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam? Wie kann ich jedem Kind gerecht werden? Wie kann ich Berührungsängste vor dem „Anders sein“ abbauen? Was können Kinder mit Behinderung umsetzen, ohne dass sie überfordert werden? Worauf muss ich bei der Einbindung von behinderten Kindern speziell achten? Welche rechtlichen Aspekte müssen berücksichtigt werden? Dies sind nur einige wenige Fragen, mit denen Übungsleiter/innen im Kinderturnen in diesem Jahren vermehrt konfrontiert werden.

Durch die Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention und durch die Bundesrepublik Deutschland ergaben sich für die Deutsche Turnerjugend und die Deutsche Behindertensportjugend neue Rahmenbedingungen. Zuvor waren Angebote gezielt nur auf Kinder mit Behinderung oder Kinder ohne Behinderung ausgerichtet, wobei die Erstellung der Angebote dabei in der Verantwortung des jeweiligen Verbands lag (Kinder mit Behinderung – Deutsche Behindertensportjugend/DBSJ und Kinder ohne Behinderung im Kinderturnen – Deutsche Turnerjugend/DTJ). Daher haben beide Jugendorganisationen sich zusammengesetzt, um sich gemeinsam den neuen Herausforderungen zu stellen und das jeweilig bestehende Know-How zusammenzutragen. Kinderturn-Angebote wurden im Hinblick auf eine inklusive Ausgestaltung überarbeitet bzw. neu entwickelt und in den Strukturen etabliert. Die DTJ und die DBSJ setzten sich dafür ein, dass gemeinsames Kinderturnen für Kinder mit und ohne Behinderung zur Normalität wird.

Fortbildungsmodul für Übungsleiter/innen in inklusiven Gruppen

Um dieses Umdenken langfristig erreichen zu können, hat die DTJ in Kooperation mit der DBSJ einen Förderantrag bei der Aktion Mensch eingereicht.
Ziel des von Aktion Mensch geförderten Projektes ist es, durch die Entwicklung eines Fortbildungsmoduls Übungsleiter/innen so zu qualifizieren, dass sie inklusive Gruppen im Kinderturnen mit Kindern mit und ohne Behinderung adäquat betreuen und alle Kinder optimal fördern können. Dadurch sollen möglichst viele Kinder mit Behinderung an Kinderturn-Angeboten in Turnvereinen teilnehmen können.

Bei der Umsetzung des Projekts Kinderturn-Show wurde deutlich, dass viele Übungsleiter/innen sich nicht optimal qualifiziert fühlen und deshalb Bedenken haben, ihre Kinderturn-Angebote für Kinder mit Behinderung zu öffnen. Im Rahmen des Projekts wurden die Beteiligten erstmals auf das Thema Inklusion und Partizipation von Kindern mit Behinderung aufmerksam, erste Erfahrungen konnten gesammelt und Berührungsängste abgebaut werden. Es wurde aber auch deutlich, dass eine entsprechende Qualifizierung der Übungsleiter/innen stattfinden muss, wenn der Inklusionsgedanke in den Strukturen gelebt werden soll. In den Ausbildungen der Landesturnverbände/Landesturn(er)jugenden sind bisher keine Ausbildungsinhalte vorhanden, die sich mit der Bewegungsförderung von Kindern mit Behinderung sowie mit spezifischen Betrachtungen und Schwierigkeiten des Themas Inklusion beschäftigen. Auch in den Strukturen des Behindertensports gibt es keine Ausbildungsangebote für Übungsleiter/innen im Breitensport mit einer spezifischen Kinderturn-Ausrichtung zur Förderung der motorischen Grundlagenausbildung und Persönlichkeitsentwicklung.

Beginn der Pilotphase in ausgwählten Bundesländern ab 2014

In der ersten Phase des Projekts wurde das Fortbildungsmodul (15 LE) von einer Arbeitsgruppe entwickelt und in den vier Pilotregionen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erprobt. Diese Pilotregionen wurden ausgewählt, da bereits eine Vernetzung der Projektpartner auf Landesebene besteht und die Strukturen in beiden Verbänden relativ gut ausgebaut sind. Ab 2014 wurden in jeder dieser Regionen 15-20 Übungsleiter/innen geschult. Die qualifizierten Übungsgleiter/innen bieten in ihrem Verein ein Kinderturn-Angebot (ein Mal pro Woche ein bis eineinhalb Stunden) an, in dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam turnen. Bei der Umsetzung im Verein wurden die Übungsleiter/innen von Hauptamtlichen Mitarbeiter/innen der Deutschen Turnerjugend und der Deutschen Behindertensportjugend unterstützt.

Die Erfahrungen bei der Durchführung des Fortbildungsmoduls und bei der praktischen Umsetzung wurden ausgewertet und bei der Erstellung von Arbeitsmaterialien (Handbuch) berücksichtigt. Das Handbuch wird am Ende der Erprobungsphase erstellt und produziert.

Im Anschluss an die Umsetzung in den Pilotländern wurden bundesweit ca. 30 Referent/innen aus den Strukturen des Behindertensports und der Turnverbände geschult, damit sie ab 2015 in ihrem Land eigenständig Fortbildungen anbieten können. Die Referent/innen haben die Möglichkeit, die Arbeitsmaterialien kostenlos für ihre Schulungen abzurufen. Die Aufnahme des Fort- und Weiterbildungsmoduls in die Landesverbände wird von der Deutschen Turnerjugend und der Deutschen Behindertensportjugend begleitet und unterstützt. Für die erste Umsetzung des Moduls in jedem Land, insgesamt 16 Maßnahmen, wurden kostenlos Referent/innen zur Verfügung gestellt.

Am Ende der Projektphase fand 2015 ein gemeinsamer Bildungskongress zum Thema Inklusion statt. Dort wurde das erarbeitete Fortbildungsmodul sowie Erfahrungsberichte von Übungsleiter/innen, die sich am Projekt beteiligt haben, vorgestellt. Die Öffnung der Vereinsangebote für Kinder mit Behinderung soll am Beispiel Kinderturnen auch andere Sportarten und Institutionen zur Nachahmung anregen.

Fotos: Dr. Qingwei Chen