Bewegung fördert: Die kognitive Entwicklung im Kindesalter

Aufgeschreckt durch die Ergebnisse der PISA-Studie, wird der Ruf nach besserer Bildung immer lauter. Diese soll bestenfalls bereits im Kindergarten ansetzen. Dabei muss man jedoch beachten, dass Kindergartenkinder nicht dadurch lernen, indem sie immer mehr Wissen eingepaukt bekommen. Je jünger Kinder sind, desto mehr sind sie beim Erwerb von Erkenntnissen auf Handlung, also auf Bewegung, angewiesen.

Bis zum Ende der Grundschulzeit ist das Lernen über Bewegung für das Entstehen kognitiver Fähigkeiten von großer Bedeutung. Grundsätzlich gilt: Im Kindesalter vollziehen sich Lernprozesse über Bewegung und Wahrnehmung, über konkretes Handeln und den Einsatz der Sinne.

Das Verstehen abstrakter Begriffe wie Zahlen und Wörter (wie Geschwindigkeit, Entfernung, Schwerkraft ...) vollzieht sich im Umgang mit konkreten Mengen, Dingen oder Situationen. Schulanfänger nehmen z. B. beim Rechnen immer die Finger zu Hilfe.

Kinder erschließen sich ihre Umwelt über Bewegung: Sie erfahren beim Rutschen auf schiefen Ebenen, dass man umso schneller rutscht, je steiler die Ebene ist. Schwerkraft nehmen sie zunächst über das Herunterspringen wahr. Beim Rollerfahren erfahren sie verschiedene Geschwindigkeiten, die Wirkung von Bremsen und Beschleunigung.

Raumvorstellung entsteht, indem das Kind zuerst Richtungen in Bezug auf seinen eigenen Körper einordnen lernt: Was befindet sich vor, hinter, neben, über mir? Körperschema und Raumvorstellung wiederum bilden die Grundlage für mathematisches Denken, denn Rechnen ist nichts anderes als Ordnen und Umordnen von Mengen in einem vorgestellten, innerlichen Raum. Auch die Bedeutung von Buchstaben kann ein Kind nur erkennen, wenn es ihre Lage im Raum, auf dem Papier, einordnen kann.

Bewegungsreize unterstützen direkt die Entwicklung und Ausdifferenzierung des Nervensystems. Über das Erlernen gezielter und gesteuerter Bewegungen werden wichtige Strukturen im Gehirn angelegt, die eine Kommunikation zwischen verschiedenen Bereichen im Gehirn möglich macht. Diese Kommunikation ist Voraussetzung für das Denken.