Praxis: Bewegungsspiele im Klassenraum

Grundsätzlich gilt: Im Kindesalter vollziehen sich Lernprozesse über Bewegung und Wahrnehmung, über konkretes Handeln und den Einsatz der Sinne.

Das Verstehen abstrakter Begriffe wie Zahlen und Wörter (z. B. Geschwindigkeit, Entfernung, Schwerkraft ...) vollzieht sich im Umgang mit konkreten Mengen, Dingen oder Situationen. Schulanfänger nehmen z. B. beim Rechnen immer die Finger zu Hilfe. Deshalb muss Lernen ganzheitlich gestaltet werden.

Lernen mit und durch Bewegung ist effektiver als stundenlanges Zuhören. Alle Sinne sollten angeregt werden. Bewegung macht wach, sie fördert die Konzentration und hilft Erregungsstaus abzubauen.

Die folgenden Bewegungsspiele kann man mit wenig Zeit-, Platz- und Materialaufwand jederzeit in den Unterricht einbauen. Auch nachmittags, z.B. bei den Hausaufgaben, sorgen kleine Bewegungspausen für einen klaren Kopf, Entspannung und neue Motivation.

Wörter bilden
Ziel: Bewegungsförderung, Auflockerung, Schreiben lernen, Teamwork

Material: DIN/A 4-Blätter mit aufgemalten großen Buchstaben
Jedes Kind bekommt ein oder zwei Blätter mit einem Buchstaben. Die Lehrperson sagt langsam ein Wort. Die Kinder mit dem entsprechenden Buchstaben laufen nach vorne und stellen sich in der richtigen Reihenfolge vor der Klasse auf.

Achtung: Die Lehrperson sollte darauf achten, dass die Wörter mit den ausgeteilten Blättern auch darstellbar sind (Buchstabendopplungen!).

Tipp: das Gleiche ist auch mit Zahlen zum Rechnen üben möglich

Das Samenkorn
Ziel: Entspannung, Auflockerung
in folgender Geschichte spielen die Kinder pantomimisch ein wachsendes Samenkorn:

  • "Ihr seid ein kleiner Blumensamen, tief in der Erde." (Kinder kauern klein auf dem Boden)
  • "Aus dem Samen wächst langsam eine Blume, zuerst guckt eine ganz kleine Knospe aus der Erde." (Kopf heben)
  • "Es regnet ganz viel, und der Stengel beginnt zu wachsen." (Oberkörper aufrichten)
  • "Die Blätter kommen hervor." (Arme ausstrecken) 
  • "Es regnet noch mehr und die Blume wird immer größer." (langsam aufstehen) 
  • "Jetzt ist die Blume schon ganz groß." (auf Zehenspitzen stellen)
  • "Es kommt ein leichter Wind auf - die Blume schaukelt im Wind." (Arme und Oberkörper zur Seite bewegen)
  • "Und sie dreht sich im Wind." (Oberkörper drehen)
  • "Langsam wird es Herbst und die Blume welkt!" (ganz langsam wieder klein machen und auf den Boden kauern)

Aufgabenwürfeln
Ziel: Auflockerung, Bewegungsförderung

Material: (Schaumstoff-)Würfel
Vor Spielbeginn einigen sich alle Mitspieler auf jeweils eine Tätigkeit für jede der sechs Zahlen des Würfels, zum Beispiel:

  • bei eins - ein Luftsprung 
  • bei zwei - auf den Stuhl stellen
  • bei drei - in die Hocke gehen
  • bei vier - einmal um die eigene Achse drehen
  • bei fünf - auf einem Bein stehen
  • bei sechs - mit dem Nachbarn den Platz wechseln

Jetzt wird reihum gewürfelt, der Würfler muss die vereinbarte Tätigkeit für seine Zahl vorführen und der Rest der Klasse macht die Übung nach.

Spielerische Schulter- und Nackengymnastik
Ziel: Lockerung und Dehnung der Schulter- und Nackenmuskulatur (diese ist gerade bei Schulanfängern durch das noch ungewohnte Schreiben häufig verspannt)

  • Zipfelmütze: Die Kinder legen die Hände flach auf den Kopf, die Fingerspitzen berühren sich. Dann werden die Arme nach oben gestreckt, die Fingerspitzen bleiben dabei zusammen. Es entsteht eine lange Zipfelmütze. Übung mehrmals wiederholen.
  • Schmetterling: Die Kinder verschränken die Hände im Nacken, die Ellenbogen stehen waagerecht nach außen. Dann führen sie die Ellenbogen vor dem Gesicht zusammen und flattern als Schmetterling durchs Klassenzimmer.
  • Äpfel pflücken: Die Kinder stellen sich auf Zehenspitzen und greifen so weit wie möglich nach oben, als ob sie einen Apfel vom Baum pflücken würden. Übung mehrmals wiederholen.
  • Schildkröte: Die Kinder ziehen die Schultern zu den Ohren (die Schildkröte zieht sich in ihren Panzer zurück). Dann lockern sie die Schultern, drücken ihre Handflächen so weit wie möglich Richtung Boden und ziehen die Schulterblätter zusammen (die Schildkröte guckt aus ihrem Panzer raus).
  • Kopf (nicht!) hängen lassen: Die Kinder stehen gerade, lassen die Schultern hängen und drücken des Kinn auf die Brust. Dann wird der Kopf langsam nach rechts und nach links gedreht.

Eisenbahn
Ziel: Zahlen verstehen, Rechnen lernen, Auflockerung, Bewegung

Die Kinder gehen im Klassenraum umher. Die Lehrperson nennt eine Zahl (z. B. "drei") worauf die Kinder sich zu möglichst vielen Dreiergruppen (Zügen mit drei Wagen) zusammenschließen. Auf diese Weise kann man auch addieren und subtrahieren: Beim Kommando "plus 2" werden von einigen Zügen Wagen abgekoppelt, die dann an andere Zügen angekoppelt werden müssen.

Rückenmalerei
Ziel: Förderung der taktilen Wahrnehmungsfähigkeit, Buchstaben/ Zahlen lernen

Die Kinder stehen in einer Reihe hintereinander. Das letzte Kind malt einen Buchstaben/eine Zahl auf den Rücken seines Vordermanns. Dieses Zeichen wird nun jeweils dem Vordermann auf den Rücken gemalt. Das erste Kind der Reihe malt das, was es gespürt hat, auf ein Blatt Papier. Was kommt dabei wohl raus?

Achtung: Das Spiel funktioniert nur, wenn die Kinder keine zu dicke Kleidung tragen.