Sport im Koalitionsvertrag

Datum: 22.03.18

DTB-Präsident Dr. Alfons Hölzl weist in seinem Kommentar auf die große gesellschaftliche Bedeutung des Breiten- und Leistungssports hin und fordert die neue Bundesegierung auf, dem Sport die entsprechende finanzielle Unterstützung einzuräumen. Die Rolle des E-Sports sieht er kritisch.

Dr. Alfons Hölzl / Bild: Picture Alliance

"Neue Dynamik für Deutschland" - so lautet eine der Botschaften des Koalitionsvertrages von CDU, CSU und SPD als Grundlage für die Politik der neuen Bundesregierung. Eine solche Dynamik erhoffe ich mir besonders für den Sport, vor allem bei der Förderung des Spitzensports, für die der Bund zentral verantwortlich ist.

Der Sport ist weiterhin im Innenministerium angesiedelt, auch wenn dieses um die Ressorts Bau und Heimat erweitert ist. Einige Kernaussagen zum Sport im Koalitionsvertrag stimmen mich zuversichtlich.
Etwa zur Sportförderung allgemein: "Wir wissen um die überragende Bedeutung des Sports gerade für die Integration, die Inklusion und den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Der Sport erhält aufgrund seiner gesellschaftlichen Kraft auch in Zukunft unsere Unterstützung, sowohl im Breiten- wie auch im Leistungssport."

In Verbindung mit den Worten der Bundeskanzlerin, die anlässlich ihres Turnfest-Besuches in Berlin 2017 Turnen als "Volkssport" und Turnfeste als "Volksbewegung" bezeichnete, gehe ich davon aus, dass auch unsere nächsten Turnfeste eine entsprechende Förderung des Bundes erfahren.

Zur Spitzensportförderung heißt es: "Die beschlossene Reform zur Förderung des Leistungssports werden wir im Dialog mit allen Beteiligten umsetzen und wollen dafür deutlich mehr Mittel bereitstellen." An dieser Stelle begrüße ich besonders die Selbstverpflichtung der Bundesregierung zur Erhöhung der finanziellen Förderung. Auch gehe ich davon aus, dass die neue Leitung des Hauses dieses Thema mit der angekündigten Dynamik angeht. Wir haben bald Mitte des Jahres und die Sportverbände haben für 2018 aufgrund des unklaren Bundeshaushaltes noch keine finanzielle Planungssicherheit in Bezug auf die Spitzensportförderung.

Die Rolle von E-Sport
Eine andere Formulierung im Koalitionsvertrag sehe ich kritisch: "(Wir werden) E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen."  Meines Erachtens ist es jedoch nicht vermittelbar, das milliardenschwere, kommerzielle Business der Unterhaltungsindustrie "E-Sport" mit Gemeinnützigkeit auszustatten und mit Steuergeldern zu fördern.

Ungeachtet dessen stellt obig zitierte Passage des Koalitionsvertrags einen Eingriff in die Autonomie des organisierten Sports dar: Denn es ist die Aufgabe des organisierten Sports – nicht der Politik –, darüber zu befinden, ob „E-Sport“ tatsächlich dem geltenden Sportverständnis gerecht wird und infolgedessen in den Verbund des Sports aufgenommen werden soll. Hierzu hat der DOSB eigens eine Arbeitsgruppe installiert.

Angesichts zunehmender Inaktivität bei unserer (jungen) Bevölkerung und den damit einhergehenden drastischen gesundheitlichen Negativfolgen mit immensen Kosten für unser Gesundheitssystem ist es außerdem nicht nachvollziehbar, dass die Politik „E-Sport“ mit herkömmlichen Sportarten wie dem Turnen gleichstellen und künftig mit Steuergeldern fördern will – und dies, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) parallel prüft, ob es sich bei Computersucht um eine Krankheit handle.
Dr. Alfons Hölzl

Weitere Informationen zum Thema: So bewertet der DOSB das Koalitionspapier