Hambüchen siegt am Königsgerät

Gerätfinals der Männer und Frauen
09.09.2007 - Fabian Hambüchen holt sich in überzeugender Manier den Weltmeisetrtitel am Reck. Die weiteren Gerätfinals der Männer haben Polen (Sprung) und Korea/Slowenien (Barren) gewonnen. Bei den Frauen räumten die US-Girls die Medaillen am Schwebebalken und Boden ab.




Reckresultate:
1. Fabian Hambüchen (GER) 16, 25
2. Aljaz Pegan (SLO) 15, 825
3. Hisashi Mizutori (JPN) 15, 775
4. Epke Zonderland (NED) 15, 7
5. Jeffrey Wammes (NED) 15, 15
6. Enrico Pozzo (ITA) 15, 15
7. Vlasios Maras (GRE) 14, 275
8. Hiroyuki Tomita (JPN) 13, 3

Mit einem Feuerwerk an Höchstschwierigkeiten gingen die 40. Weltmeisterschaften in Stuttgart zu Ende. Vor 7.500 begeisterten Zuschauern vollbrachte Fabian Hambüchen sein Meisterwerk. "Fabian hat Nerven wie Drahtseile, so eine Übung hinzuknallen einfach weltmeisterlich. Turnen lebt!", sagte der DTB-Cheftrainer Andreas Hirsch über seinen Schützling, der nach zwölf Jahren wieder einen Weltmeistertitel für Deutschland am Reck sicherte. Am Königsgerät überflügelte der 19-Jährige seine Konkurrenten. Mit Kolman, Stalder 1/ 1/2, Markelov, Tkatchev gestreckt und gegrätscht, gesprungene 1 1/2 in Ellgriff, Adler, gesprungene 1/1, Abgang Doppel-Doppel in den perfekten Stand. Der Wetzlarer holt sich den Weltmeistertitel mit 16, 25 Punkten. Bereits vor dem Deutschen turnten Epke Zonderland (3. der Qualifikation) und Aljaz Pegan (2. der Qualifikation) ihre Übung am Reck. Der Niederländer zeigte die Flugteile Kovacs-Salto und Kolman-Salto hintereinanderweg ohne dabei einen Fehler zu machen. Auch der slowenische Reckspezialist behielt die Nerven und überzeugte besonders mit seinem spektakulären dreifachen Salto Abgang. Auch der vierte nach der Qualifikation Hisashi Mizutori konnte seine Leistung bestätigen. Der Japaner platzierte sich nach drei Flugteilen in Folge zwischen dem vorzeitig führenden Slowenen Pegan und dem Niederländer Zonderland.

Bodenresultate:
1. Shawn Johnson (USA) 15, 25
2. Alicia Sacramone (USA) 15, 225
3. Cassy Vericel (FRA) 15, 125
4. Jiang Yuyan (CHN) 15, 1
5. Cheng Fei (CHN) 15, 075
6. Vanessa Ferrari (ITA) 15, 05
7. Elizabeth Tweddle (GBR) 14, 9
8. Sandra Raluca Izbasa (ROU) 14, 525

Die WM-Dritte von Aarhus 2006 Vanessa Ferrari konnte an ihrem Paradegerät Boden keine Medaille holen. Auch die Titelverteidigerin an diesem Gerät Cheng Fei musste sich nach einigen Unsicherheiten geschlagen geben. Die Chinesen musste bei ihrem Tsukahara in der Abschlussbahn die gesamte Bodenfläche verlassen. Für eine Überraschung sorgte die Turnerin aus Frankreich. Cassy Vericel turnte ihr Programm auf der Bodenfläche ohne große Fehler durch und profitierte schließlich von einigen Patzern ihrer Vorgängerinnen. Aber den Höhepunkt zelebrierten die beiden US-Amerikanerinnen. Alicia Sacramone überzeugte am Boden mit Eleganz und ihre jüngere Teamkollegin Shawn Johnson mit hohen Schwierigkeiten. Für die Newcomerin war es die dritte Goldmedaille (nach Team und Mehrkampf) und damit steht sie als erfolgreichste Teilnehmerin der Weltmeisterschaften in Stuttgart fest

Barrenresultate:
1. KIM Dae Eun (KOR) 16, 25
1. Mitja Petkovsek (SLO) 16, 25
3. Anton Fokin (UZB) 16, 2
4. Yoo Won Chul (KOR) 15, 975
5. Huang Xu (CHN) 15, 95
6. Yang Wei (CHN) 15, 9
7. Yosuke Hoshi (JPN) 15, 85
8. Yann Cucherat (FRA) 15, 35

Gleich zu Beginn der Barrenkonkurrenz patzte Yoo Won Chul. Der Koreaner, der bei den vergangenen Weltmeisterschaften noch WM-Dritter an diesem Gerät wurde, konnte nach einem Handstandfehler diese Platzierung nicht wiederholen. Besser machte es der Gerätspezialist Mitja Petkovsek. Der Slowene konnte sich schon bei den Welttitelkämpfen in Melbourne den ersten Rang sichern und auch in Stuttgart lag er nach fünf Turnern in Führung. Als sechster Turner betrat Kim Dae Eun das Podium. Der Koreaner zeigte sich sehr stabil und zog mit dem Slowenen gleich auf Platz eins. Zittern mussten die beiden Führenden als Anton Fokin seine schwierige Barrenübung turnte. Der Mann aus Usbekistan zeigte als Highlight seiner Kür einen Doppel-Salto vorwärts Abgang und wurde damit Vizeweltmeister. Der Weltmeister und Qualifikationsbester Yang Wei hatte eine Unsicherheit, die dem Chinesen die Goldmedaille kostete.

Schwebebalkenresultate:
1. Anastasia Liukin (USA) 16, 025
2. Li Shanshan (CHN) 15, 9
2. Steliana Nistor (ROU) 15, 9
4. Catalina Ponor (ROU) 15, 7
5. Lauren Mitchell (AUS) 15, 425
6. Isabelle Severino (FRA) 14, 675
7. Jade Barbosa (BRA) 14, 575
8. Shawn Johnson (USA) 14, 475

Einen schlechten Tag am Schwebebalken erwischte die frisch gebackene Team- und Mehrkampfsiegerin Shawn Johnson. Die 15-jährige US-Amerikanerin musste zweimal das Gerät verlassen und bekam nur 14, 475 Punkte. Eine ordentliche Vorstellung zeigte die Olympiasiegerin von Athen Catalina Ponor. Die Rumänin musste zwar das Gerät nicht verlassen, doch die 20-Jährige handelte sich eine Zeitstrafe ein (0, 1) ein. Noch sicherer präsentierte sich ihre Teamkollegin Steliana Nistor. Die 17-Jährige musste nur beim Abgang Doppel-Salto gebückt einen etwas größeren Ausgleichsschritt machen. Zuvor konnte die Vizeweltmeisterin im Mehrkampf mit einem Salto vorwärts mit Landung auf einem Bein gezogen in die Standwaage imponieren. Als Beste in der Qualifikation ging Li Shanshan in das Finale hinein. Jedoch fiel die Chinesin bei einer vermeintlich leichten Fußdrehung auf einem Bein vom Schwebebalken. Doch die erst 15-Jährige erreichte einen enorm hohen A-Wert von 7, 3 und konnte so trotz eines Sturzes mit der Rumänien gleichziehen. Von diesem Fehler profitierte Anastasia Liukin, die fehlerfrei ihre Schwebebalkenkür turnte, und deshalb als zweite gestartete US-Amerikanerin doch noch einen Titel für ihre Nation holen konnte.

Sprungresultate:
1. Leszek Blanik (POL) 16, 512
2. Illie Popescu (ROU) 16, 5
3. Ri Se Gwang (PRK) 16, 387
4. Ri Jong Song (PRK) 16, 362
5. Andriy Isayev (UKR) 16, 25
6. Fabian Hambüchen (GER) 15, 975
7. Flavius Koczi (ROU) 15, 825
8. Isaac Botella Perez (ESP) 15, 387

Im ersten Finale des letzten Tags der Weltmeisterschaft stand der Sprung der Männer auf dem Programm. Der Ukrainer Anriy Isayev, der in der Qualifikation vierten Platz belegte, zeigte in seinem ersten Versuch einen Überschlag mit Doppel-Salto und einer halben Schraube und als zweiten Sprung einen Tsukahara mit Doppel-Salto gebückt. Im Mittel erreichte der Sieger des DTB-Pokals von 2006 16, 25 Punkten. Als heißer Titelaspirant turnte Illie Popescu einen Kasamatsu mit Doppel-Schraube und einen Überschlag mit zweifacher Schraube in den sicheren Stand. Der Roumäne konnte mit 16, 5 Punkten vorzeitig die Führungsposition einnehmen. Fabian Hambüchen sorgte für Stimmung in der Schleyer-Halle. Der Wetzlarer sprang als erstes einen Yurchenko mit zweieinhalb Schrauben (16, 1) und als zweites einen Kasamatsu mit einer Schrauben, der allerdings nur einen A-Wert von 6, 6 (15, 85). Im Schnitt machte das eine Wertung von 15, 975 Zählern. Damit konnte der 19-Jährige seinen Bronzerrang von Aarhus 2006 nicht verteidigen. Der Koreaner Ri Se Gwang platzierte sich in der Qualifikation auf dem dritten Rang und konnte auch im Finale seine Platzierung wiederholen. Aber bester in der Sprungkonkurrenz war der Pole Leszek Blanik. Der Vizeweltmeister von Aarhus konnte sich ganz knapp an dem Rumänen vorbeischieben und sicherte sich mit der Goldmedaille auch das Ticket für die Olympischen Spiele in Peking 2008.