Eltern-Kind-Turnen verbindet - Gelegenheiten für ein freudvolles Miteinander

Von Katja Tietz (Facherzieherin für Integration, Motopädagogin)

Für das Eltern-Kind-Turnen besteht ein Hauptziel darin, dass die Eltern mit ihren Kindern die Gelegenheit erhalten, intensiv Zeit miteinander zu verbringen. Ein freudvolles Miteinander ermöglichen natürlich Geräteangebote, in denen auch die Eltern ermuntert bzw. "sanft gezwungen" werden, mit auf die Geräte zu gehen. Ein solches Angebot möchten wir im folgenden Praxisteil vorstellen, dem allerdings einige wichtige Anmerkungen voranstellen.
Eine solche Angebotsform wird nicht alle Eltern veranlassen, mit auf die Geräte zu gehen, und auch nicht alle Kinder machen bis zum Schluss ein vorgegebenes Bewegungsspiel mit. Das ist jedoch nicht unsere Hauptintention. Zum einen möchten wir mit einem Angebot, das immer auf Freiwilligkeit - einem wichtigem didaktisch-methodischem Prinzip im Kinderturnen - aller Beteiligten beruht, Impulse für Bewegungsmöglichkeiten geben. Zum anderen ist es allerdings noch wesentlich wichtiger, dass die Eltern durch die Übungsleiterin dahingehend unterstützt werden, die Bedürfnisse ihrer Kinder wahrzunehmen. Letztere sollen durch ein in erster Linie "emotionales Sicherheitsnetz", das ihnen die Eltern bieten, zunehmend ermuntert werden, selbstbestimmt und selbsttätig aktiv zu werden. So erfahren sie Selbstwirksamkeit, was zum Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes beitragen kann.

Die Übungsleiter/in im Eltern-Kind-Turnen

Sternenstraße zum Farb-Sterne-Spiel (s. u.)

Wir sehe daher eine der Hauptaufgaben einer Übungsleiterin im Eltern-Kind-Turnen darin, die Ohren und Augen aufmerksam wahrnehmen zu lassen, wie die Eltern mit den Kindern beim Turnen umgehen. So sollten z. B. Eltern freundlich darauf aufmerksam gemacht werden, wenn sie ihre Kinder hindern, eigene Bewegungslösungen zu finden, sie zu viel helfen, sie mit Worten Ängste verstärken ("Fall nicht runter!", "Dafür bist du noch zu klein!" bzw. "Das ist zu schwer!", "Warte, ich halte dich fest!" ...) oder sie ihre Kinder daran hindern, konzentriert an einer Station zu üben. Gerade letzteres passiert aus durchaus wohlmeinenden Gründen ("Es gibt doch noch so viele andere interessante Geräte!"...) häufig. Damit hindern die Eltern die Kinder aber am Ausleben eines inneren natürlichen Entwicklungsdrangs nämlich dem, an einer Sache so lange dran zu bleiben, bis man sie kann oder bis man genug hat (dieses "natürliche Prinzip" kann man bei Kleinkindern beim Bewegungslernen im Alltag immer wieder beobachten, wenn man ihnen Zeit und Gelegenheit dazu gibt). Später beschwert oder wundert man sich, dass Kinder nicht ausdauernd üben können! Viele Eltern sind jedenfalls sehr dankbar für solche Hinweise und Erklärungen, wenn man sie ihnen respektvoll vermittelt.

Das Farb-Sterne-Spiel

Grüne Sterne - es gibt sechs verschiedene Farben

Materialbedarf:

  • je sechs Sterne aus fester Pappe in so vielen Farben wie Stationen (hier sechs) mit den Eltern-Kind-Symbolen
  • einige Zahlenwürfel
  • pro Familie ein Spielstein/Spielkarte, z.B. kleine Bildchen auf Karten geklebt
  • Aufbaukarten/Fotos zu den Stationen auf den Sternen entsprechend farbige Blätter geklebt (zur Kennzeichnung der Stationen).

Spielverlauf:
Die Gerätestationen werden den Fotos/Aufbaukarten entsprechend aufgebaut und an gut sichtbarer Stelle wird am Gerät die farbige Rückseite befestigt. Die Sterne werden in wechselnder Farbreihenfolge auf den Boden gelegt. Jede Familie bekommt einen Spielstein. Die Familien würfeln und setzen den Spielstein die entsprechende Punktzahl vor, betrachten die Sternenfarbe (gibt das Gerät vor) und das Symbol (gibt vor, wer turnt) und denken sich an der entsprechenden Station eine Turnaufgabe selber aus, die sie (je nach Symbol) alleine oder zusammen durchführen. Wenn sie das erledigt haben, wird wieder gewürfelt und es geht so weiter wie beschrieben.... Wenn einige Familien am Ende der Sternenstraße angekommen sind, können sie entweder noch nach Belieben turnen oder aber von vorne anfangen.

Bedeutung der Symbole auf den Sternen:

Vorschläge für Gerätestationen:

Die Gerätestationen sind allerdings beliebig. Als Grundvoraussetzung für die Auswahl gilt nur, dass sich Eltern und Kinder gemeinsam darauf bewegen können.