Konzept

Das Konzept "Fit für Ballspiele" steht im Portal „Meine GYMCARD“ im Servicebereich LTV/LTJ unter Konzepte/Kinderturnen zum Download zur Verfügung.

Fotos: LSB/NRW
Coverfoto und „Brennball“: Andrea Bowinkelmann
„Ballgewöhnung“ und „Zielgerichtetes Handeln“: Michael Grosler
Coverfoto bearbeitete durch Nicole Gebhardt

Fit für Ballspiele

Der Ball ist eines der beliebtesten Spielgeräte für Groß und Klein. Doch vor allem für die Kleinen ist der Umgang mit Bällen gar nicht so einfach. „Fit für Ballspiele“, ein Konzept zur Erweiterung der vielfältigen Möglichkeiten des Kinderturnens zur motorischen Grundlagenausbildung im Hinblick auf das Bewegen und Spielen mit Ball, vermittelt Kindern alle relevanten Fertigkeiten von Ballspielen.

Zielgruppe sind Kinder zwischen vier und zehn Jahren. Das Konzept steht zunächst exklusiv den DTB Kinderturn-Clubs zur Verfügung. Diese können „Fit für Ballspiele“ anbieten, wenn mindestens ein/e Übungsleiter/in an einer entsprechenden Fortbildung teilgenommen hat. Diese werden von den Landesturnverbänden/Landesturn(er)jugend angeboten.

Neben der Vermittlung von theoretischen Grundlagen baut sich das Konzept in der Praxis auf drei zentralen Säulen auf, die zusammen Inhalt jeder Ballspielstunde sein sollen:

1. Ballgewöhnung

Hier werden den Kindern unterschiedlichste Bälle zugänglich gemacht und im freien Spiel eigene Erfahrungen gesammelt.

Beispiel: Bälle kennen lernen

Material: viele unterschiedliche Bälle (Farben, Größen, Gewichte, Materialien – Tennisbälle, Tischtennisbälle, Golfbälle, Plastik-Eier, Schaumgummibälle, Gymnastikbälle, Sockenbälle, Wasserbälle, Jonglierbälle, Indiaca, Handbälle, Korfbälle, Sitzbälle, etc.)
Es werden alle Bälle im Raum verteilt. Die Kinder bekommen den Auftrag sich mit den Bällen, wie sie wollen durch den Raum zu bewegen (z. B. kicken, rollen, prellen, sich draufsetzen oder legen, ihn mit der Nase vor sich her rollen, ihn zwischen die Knie klemmen, usw.) Das Ziel ist dabei, die verschiedenen Eigenschaften der Bälle kennenzulernen. Auf ein vorher ausgemachtes Zeichen (z. B. klatschen für den größten Ball) laufen alle Kinder zu dem größten, kleinsten, roten, gelben, weichsten, etc. Ball.

2. Zielgerichtetes Handeln

Verschiedenen Möglichkeiten im Umgang mit Bällen (Schießen, Werfen, Prellen, …) sollen bei ersten gezielten Übungsformen und leichten Aktions- und Reaktionshandlungen bewusst wahrgenommen werden.

Beispiel: Übungsreihe werfen-fangen-passen mit Partner/in

Die Übungsreihen des Konzepts sind nach dem methodischen Prinzip „vom Leichten zum Schweren“ aufgebaut. Die einfachen Übungen eignen sich bereits für kleine Kinder, bei den schwereren Übungen muss man abwägen, inwieweit man diese mit seiner Kindergruppe, schon durchführen kann. Material: 1 Ball pro Kind

  • Die Kinder sitzen sich mit gegrätschten Beinen und etwas Abstand gegenüber und rollen/werfen sich einen Ball zu.
    • direkt
    • seitlich
  • mit zwei Bällen im Sitzen:
    • s. o.
    • ein Kind wirft, das andere rollt den Ball
  • Die Kinder werfen sich einen Ball im Stehen zu:
    • direkt
    • mit Bodenpass
    • beidhändig/einhändig
    • mit einem Sandsäckchen auf dem Kopf, das nicht herunterfallen darf
    • über eine Schnur/Netz
    • auf einem Bein/auf labilem Untergrund (Wackelbrett etc.) stehend
    • beim Abwurf hüpfend
    • rückwärts durch die gegrätschten Beine
    • Abstand zueinander variieren
  • Die Kinder werfen sich einen Ball im Gehen/Laufen zu.
    • s. o. (soweit möglich)
  • mit zwei Bällen im Stehen:
    • s. o.
    • Ein Ball wird flach geworfen, der andere darüber.
    • Ein Ball wird direkt geworfen, der andere mit Bodenpass.
    • Die Bälle werden senkrecht in die Luft geworfen, die Kinder wechseln die Positionen und fangen den Ball des/r Partner/in.
    • Die Bälle treffen sich in der Mitte und werden beim Zurückspringen gefangen.
  • mit zwei Bällen in Bewegung (gehen/laufen/hüpfen):
    • s. o. (soweit möglich)

3. Ballspiele

Die Inhalte der ersten beiden Säulen werden in einfachen Spielen mit einfachen Regeln und unterschiedlichen Handlungsansprüchen angewendet.

Beispiel: Brennball mit Variationen

Material: 1 Brennball (geeignet sind z. B. Volleyball, Softball oder Dodgeball), 5 Turnmatte, 4 Fähnchen, Spielfeld: Ca. 9 x 18 m (z. B. Volleyballfeld)
Der Aufbau des Spielfelds sieht wie folgt aus: In alle vier Ecken des Spielfeldes werden Fähnchen gestellt und Turnmatten gelegt. Im Spielfeld liegt eine blaue Matte als „Brennmal“.
Es werden zwei Mannschaften gebildet. Eine Mannschaft ist die Laufmannschaft und die andere ist die Feldmannschaft. Die Laufmannschaft stellt sich am ersten Fähnchen außerhalb des Spielfeldes auf, die Feldmannschaft verteilt sich innerhalb des Spielfeldes. Jetzt wirft der erste Werfer den Ball möglichst so, dass kein Feldspieler ihn fangen kann, dabei darf er ihn aber nur nach vorne und nicht an die Decke oder nach hinten werfen. Danach rennt er sofort los und umläuft die Fähnchen. Die Feldmannschaft versucht den Ball zu fangen und möglichst schnell auf das Brennmal zu prellen und dabei „Stopp!“ zu rufen. In diesem Moment muss der Werfer auf einer der Matten stehen oder das Feld einmal umrundet haben, ansonsten ist er verbrannt. Dann ist der nächste Werfer an der Reihe. Sobald ein Ball geworfen wird, dürfen alle Kinder aus der Laufmannschaft, die sich auf einer der Matten befinden, weiterrennen. Das Ziel ist es, das Spielfeld einmal zu umrunden ohne zu „verbrennen“. Bei einer Feldumrundung ohne Pause (Homerun) gibt es für die Laufmannschaft vier Punkte, bei einer Umrundung mit Unterbrechung gibt es einen Punkt. Wenn alle vorher vereinbarten Würfe durchgeführt wurden, werden die Punkte zusammen gezählt und die Mannschaften wechseln die Positionen. Siegermannschaft ist die Mannschaft, die nach beiden Durchgängen (einmal als Feld- einmal als Laufmannschaft) die meisten Punkte gesammelt hat.

Varianten:

  • auf Zeit (pro Durchgang z. B. 5 Minuten)
  • größeres Spielfeld
  • Gerätebrennball: (an den Fähnchen werden Turngeräte aufgestellt, z. B. Kästen, Barren, auf die geklettert werden muss) oder auf dem Weg zum Fähnchen müssen Geräte überwunden werden.
  • Die Feldmannschaft darf nicht mit dem Ball laufen, bzw. es ist nur eine bestimmte Anzahl an Schritten erlaubt.
  • Es müssen alle Fähnchen angelaufen werden (kein Homerun erlaubt).
  • Die Feldmannschaft bestimmt einen „Brenner“ der sich nur rund um das Brennmal be-wegen darf/immer mit einem Fuß das Brennmal berühren muss.
  • Es gibt Punkte für direkt aus der Luft gefangene Bälle.
  • Es wir mit dem „wurfungewohnten“ Arm geworfen (auch die Feldmannschaft).
  • Der Ball muss ins Spielfeld geworfen werden, nicht darüber hinaus.
  • Alternative Laufwege (z. B. ein Slalom oder ein Kasten, der überwunden werden kann, als diagonale Abkürzung zwischen zwei Fähnchen).