Frauen - das zweite Geschlecht [1]

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Legitimiert wurde die Geschlechterhierarchie mit der Theorie von den angeborenen und unveränderlichen Wesensmerkmalen beider Geschlechter. Danach waren Männer aktiv und rational, Frauen dagegen passiv und emotional. Daher erschien die Arbeitsteilung, die Männern Beruf und Öffentlichkeit, Frauen die Aufgaben als Ehefrau, Hausfrau und Mutter zuwies, sinnvoll, ja notwendig. 

Gesundheit und Armut 
Die ersten Initiativen für das Mädchenturnen setzen mit der Devise "Gesundheit und Armut" in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts ein. Seitdem nahm die Zahl der Ärzte und Pädagogen zu, die das Turnen der Mädchen befürworteten, damit sie später als gute Mütter und tüchtige Hausfrauen tätig sein konnten. 

Daher boten Turnlehrer oder Besitzer privater Turnanstalten Turnkurse für Mädchen an mit dem Versprechen, "dass auf den Wangen der Jungfrauen die Rosen und Lilien der Gesundheit blühen und ihren zarten Gliederbau die Huldgöttinnen der Schönheit und Anmut schmücken". Auch einige der privaten höheren Töchterschulen nahmen das Turnen in ihren Fächerkanon auf. 

Dagegen kümmerte  sich die überwiegende Mehrzahl der in den 40er Jahren gegründeten Turnvereine nur um Knaben und männliche Jugendliche. Nur einige wenige Vereine, vor allem im industrialisierten Sachsen, nahmen sich der "körperlichen Ertüchtigung" der Mädchen an. 

Frauen und Turnen - ein Widerspruch? 
Während das Mädchenturnen als Teil der Erziehung gefördert wurde, rief die Frage, ob sich erwachsene Frauen am Turnen beteiligen können, fast einhellige Ablehnung hervor. So änderte die Turngemeinde Pirna auf den Aufnahmeantrag einer Frau hin sogar ihre Satzung. Jetzt hieß es dort: „Der Verein besteht aus freiwillig zusammengetretenen Personen männlichenGeschlechts.“ Eine Ausnahme war der Dresdner Turnverein, der wegen der "Wichtigkeit der geregelten körperlichen Bewegung" 1847 einen Turnlehrgang für "Erwachsene des weiblichen Geschlechts" einrichtete. 

Frauen in der 48er Revolution 
Bereits im 18. Jh. hatten sich in Folge der Aufklärung Forderungen nach der Emanzipation der Frau erhoben, die im liberalen Klima im Vorfeld der 48er Revolution wieder aufgegriffen wurden. In dieser Zeit begeisterten sich zahlreiche Frauen für die patriotischen und liberalen Ideen des Bürgertums. Auf die Zusammenhänge zwischen Patriotismus und Emanzipation wies vor allem auch die spätere "Frauenrechtlerin" Louise Otto hin. Als Robert Blum 1843 in den sächsischen Vaterlandsblättern fragte, wie sich die "weibliche Welt" am Staatsleben beteiligen solle, meinte sie, dass "die Teilnahme von Frauen an den Interessen des Staates nicht ein Recht, sondern eine Pflicht" sei. Dieser Pflicht könnten Frauen allerdings nur nachkommen, wenn sie nicht "zu Puppen der Männer" erzogen würden. In ihrem Plädoyer für eine fundierte 
Ausbildung der Mädchen forderte Louise Otto auch die Einführung des Turnunterrichts, der nicht nur der körperlichen Ertüchtigung, sondern auch der Nationalerziehung dienen sollte. In der von Otto herausgegebenen Frauen-Zeitung wurde die Frage des Mädchen- und Frauenturnens immer wieder diskutiert. [weiterlesen [2]

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