Geschichte der Frauenturnbekleidung

Die Alltagskleidung der Frauen im 19. Jahrhundert macht die Sexualisierung und gleichzeitige Tabuisierung des weiblichen Körpers deutlich. Sie verhüllt die Beine, betont aber Busen, Po und Hüften und engte insgesamt die Bewegungsfreiheit der Frauen entscheidend ein. Unverzichtbar war die schmale Taille, die Zartheit und Zerbrechlichkeit signalisieren sollte und nur durch eine gewaltsame Verformung des Körpers mit Hilfe des Korsetts erreicht werden konnte. Am Ende des 19. Jahrhundert Propagierten die Kleidungsreformbewegung, der Wandervogel oder auch die Gymnastikbewegung eine "Befreiung des weiblichen Körpers", ohne allerdings vor dem 1. Weltkrieg breite Resonanz zu finden. 

Hosen blieben lange tabu 

Mit dem Aufschwung der Sportbewegung veränderte sich die Kleidung, wobei allerdings der lange Rock nach wie vor unersetzlich war. Die Turnerinnen waren durch die Turnkostüme auf wenige Übungen beschränkt. Die Devise war: Kopf oben, Beine unten und geschlossen. Als Alternative bot sich an, den Rock zu kürzen, was aber nur beschränkt möglich war, weil Konflikte mit den Moralvorstellungen vorprogrammiert waren, sobald der Rocksaum über das Knie rutschte. 

Im Turnen entbrannte nach der Jahrhundertwende der Kampf um die Hose, die die notwendige Bewegungsfreiheit garantierte, die aber in der Öffentlichkeit, bei Turn- und Sportfunktionären und nicht zuletzt bei vielen Frauen auf energischen Widerstand stieß, weil sie als Tracht der Emanzipation, der leichtlebigen Musen und des Mannweibsports galt.

Eine Vorreiterrolle in der Hosenfrage spielte der 1893 gegründete Arbeiterturnerbund. Wenn sich auch die ersten Turngenossinnen noch sittsam verhüllten, so setzte sich doch schnell mit der Devise "Mach dich frei" die Hose durch. Bald wichen die weiten Pumphosen und die Turnbluse einer weniger weiten Hose und einem enganliegenden gestreiften Sweater.

Nach dem 1. Weltkrieg setzte sich im Turnen und Sport ein "Einheitslook", die kurze schwarze Hose und eine Bluse, später ein "Sweater" durch. Auch nach dem 2. Weltkrieg blieb die Turn- und Sportkleidung zunächst weitgehend uniform und funktional. Erst seit "Wiederkehr des Körpers" in den 70er und 80er Jahren unterliegt das sportliche Qutfit auch im Turnen und in den verschiedenen Richtungen der Gymnastik zunehmend modischen Trends. 

Gertrud Pfister 

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